DivMoSt: BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen

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Ziel:

Im Projekt DivMoSt (2024-2025) wurden Streuobstbestände in ganz Österreich untersucht. Ziel war einerseits die Biodiversitätserfassung von Indikatortiergruppen (Wildbienen, Tagfalter, Heuschrecken, Vögel und Fledermäuse) in Streuobstbeständen. Andererseits wurde eine auf Geodaten gestützte Methode entwickelt, die eine bundesweite Erfassung der Streuobstbestände und die Dokumentation von deren Entwicklung zu ermöglicht.

Hintergrund:

Streuobstflächen sind extensiv bewirtschaftete Flächen, wie z. B. Grünland mit Streuobstbäumen (i. e. großkronige Obstbäume, die ohne dauerhafte Unterstützung freistehen). Sie gelten als hochwertige, halboffene Lebensräume mit hoher Bedeutung für viele Tier- und Pflanzenarten. Der Bestand an Streuobstbäumen in Österreich lag um das Jahr 1930 bei geschätzten 35 Mio. und ging bis 2020 auf rund 4,2 Mio. Bäume zurück. Der aktuelle Bestand an Streuobstbäumen beruht, v. a. im nicht-landwirtschaftlichen Bereich auf Schätzungen.

Rinder, die auf einer Streuobstfläche weiden.

Streuobstfläche in Niederösterreich. © Sophie Kratschmer

Methode & Ergebnisse:

Um Streuobstflächen automatisiert zu finden wurden 23 Testgebiete (je ≥ 120 km²) untersucht, die über Österreich verteilt waren. Mit der streuobstbaufachlichen Kartierung in je zwei Landschaftsausschnitten pro Testgebiet wurden die Streuobstbestände mit einer einheitlichen Methodik kartiert, ihr Zustand dokumentiert und vergleichende streuobstbaufachliche Analysen durchgeführt. Insgesamt wurden 1170 Streuobstpolygone mit einer Gesamtfläche von 231,9 ha aufgenommen und rund 5900 Streuobstbäume als Einzelbäume (Punkte) mit der Obstart verortet. Der Großteil der kartierten Bestände befindet sich auf Grünland (79 %) oder in Hausgärten (17 %) welche, zumindest regional, eine hohe Bedeutung für den Streuobstanbau haben. Das Bestandsalter war bei 71 % der Testgebiete zwischen 20 und 60 Jahren und bei 20 % über 60 Jahre. Dies zeigt, dass im österreichischen Streuobstanbau insgesamt ein deutlich zu geringer Anteil an Nachpflanzungen vorhanden ist, um die Bestände auf dem aktuellen Niveau zu erhalten. Wichtig ist, dass bei der Forcierung von Pflege und Nachpflanzung, die Erhaltung und Schaffung von Strukturvielfalt nicht vergessen werden darf, selbst wenn die Obstnutzungsperspektive einer Streuobstanlage im Vordergrund steht.

Die Ergebnisse der streuobstbaufachlichen Kartierung waren die wesentliche Basis für die Methodenentwicklung zur automatisierten Erkennung von Streuobstbeständen auf Basis von digitalen Geodaten. Die genaue Felderhebungen vor Ort wurden mit der Anwendung unterschiedlichster Geodaten wie Höhenmodellen, Nutzungsdaten und vor allem multisaisonale Satellitenbildzeitreihen aus den Jahren 2023 und 2024 sowie einem Klassifikationsverfahren aus dem Bereich des maschinellen Lernens zusammengeführt. Das finale Modell erreichte zufriedenstellende Genauigkeiten bei der Streuobstbaumdetektion. Die Verifizierung mit unabhängigen Kartierungsdaten zeigte das Potenzial in der Anwendung derartiger Methoden und wie weit Streuobstbäume von anderen Gehölzbeständen unterschieden werden können. 

© Eva Schöll

Für die Erhebung der Tiergruppen wurde pro Landschaftsausschnitt, in Anlehnung an die bestehenden Biodiversitätsmonitorings (ÖBM, BINATS, MOWI) Österreichs, je eine 625 m × 625 m Referenzfläche definiert und die Tiergruppen anhand des Artenreichtums, der Bestände und/oder der Aktivität erhoben. Auf Basis der Biodiversitätsdaten wurden Charakterarten der untersuchten Tiergruppen für österreichische Streuobstbestände definiert. 

Insgesamt wurden in nur einem Erhebungsjahr 458 Tierarten (321 Insekten-, 23 Fledermaus- und 114 Vogelarten) und 230 entomophile, blühende Pflanzenarten nachgewiesen. Im Detail wurden 31 Heuschreckenarten (1626 Individuen), 65 Tagfalterarten (2251 Individuen) und 225 Bienenarten (5196 Individuen) dokumentiert – über 50 % der Bienenindividuen waren Honigbienen (2719). Damit wurden in den Flächen 24 % der österreichischen Heuschreckenarten, 30 % der Tagfalterarten und 32 % der Bienenarten nachgewiesen. Bei den Wirbeltieren wurden rund 50% der regelmäßig in Österreich brütenden Vogelarten und 74% der für Österreich bekannten Fledermausarten in den Streuobstflächen nachgewiesen. Diese Zahlen liefern bereits einen guten Hinweis auf den hohen Stellenwert von Streuobstflächen als Lebensraum für Insekten, Vögel und Fledermäuse.

Viele weitere spannende Ergebnisse lesen Sie hier im Endbericht.

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DivMoSt Ergebnisse

Kratschmer, S.; Milchram, M.; Linhart, S.; Unglaub, P.; Schöll, E.M.; Weis, I.; Immitzer, M.; Suppan, F.; Daryaei, A.; Vuolo, F.; Rosner, F.G.; Staples, M.; Krutzler, M.; Holler, C. (2025): DivMoSt - BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich. Endbericht. 181 Seiten. PDF herunterladen (9.07 MB)

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BOKU Presseaussendung, 11.12.2023

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