Laufende Projekte:

BMVIT Stiftungsprofessur Digitalisierung und Automatisierung im Verkehrs- und Mobilitätssystem (DAVeMoS)

Innovationen im Verkehrs- und Mobilitätssystem gehen mit räumlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Wirkungen einher – dies gilt auch für die Digitalisierung und Automatisierung und bedingt einen systemischen Forschungszugang zum Thema. Die BMVIT Stiftungsprofessur wird inter- und transdisziplinär mit breiten methodischen Zugängen die Wechselwirkungen und Zusammenhänge zwischen der zu erwartenden technologischen Entwicklung einerseits und dem Wirkungsgefüge Mensch, Gesellschaft, Raum, Umwelt und Wirtschaft andererseits untersuchen. Ziel der Stiftungsprofessur ist es, durch die Schaffung einer fundierten Evidenzbasis beizutragen, negative Systemwirkungen zu vermeiden, aus gesellschaftlicher Sicht geeignete Rahmenbedingungen (beispielsweise rechtlicher und infrastruktureller Art) zu identifizieren, ihre Realisierung zu fördern sowie erfolgsversprechende Planungsverfahren, -methoden und -materialien zu entwickeln. Ein besonderer Fokus liegt auf der Unterstützung öffentlicher und privatwirtschaftlicher EntscheidungsträgerInnen, um faktenbasiert sowohl wirtschaftliche Impulse setzen zu können als auch eine gesellschaftlich wünschenswerte nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Digibus Austria (DIGIBUS)

Die ERTRAC-Roadmap 2017 für die Entwicklung von automatisiertem Fahren beschreibt einen Entwicklungspfad für automatisierte urbane Mobilitätssysteme („automatisierte Shuttles“). In einem intermodalen Transportsystem sollen automatisierte Shuttles als bedarfsgesteuerte Zu-/Abbringer zu Mobilitätsknoten eine Schlüsselrolle einnehmen (Anwendungsfall 3 „Neue Flexibilität“ im österreichischen Aktionsplan Automatisiert – Vernetzt – Mobil). Trotz des enormen technischen Fortschritts der letzten Jahre zeigen aktuelle Realerprobungen, dass die derzeit am Markt verfügbaren Shuttles gegenwärtig in die Stufe 2 („Teilautomatisierung“) bzw. 3 („bedingte Automatisierung“) einzustufen sind (nach SAE J3016). Obwohl weltweit immer mehr Testversuche angekündigt bzw. durchgeführt werden, sind bisher wenige Forschungsprojekte bekannt, die eine systematische Weiterentwicklung von automatisierten Shuttles in Richtung höherer Stufen zum Ziel haben.

Das Leitprojekt Digibus Austria verfolgt das Ziel, Methoden, Technologien und Modelle zu erforschen und zu erproben, die einen zuverlässigen und verkehrssicheren Betrieb von automatisierten Shuttles auf öffentlichen Straßen im Mischverkehr in einer regionalen Fahrumgebung auf Stufe 3 nachweisen und die Grundlagen für die Erreichung der Stufe 4 („Hochautomatisierung“) schaffen. Folgende Ergebnisse sind zu erwarten: (1) Fahrumgebung und digitale Infrastruktur (Bewertung und Ausstattung der Fahrumgebung, (teil)automatisierte Werkzeugkette zur Ableitung der digitalen Fahrumgebung bzw. Fahrspur, zuverlässige Positionierung- und Kommunikation), (2) Fahrszenarien und Umgebungsinteraktion (regelkonforme und verkehrssichere Bewältigung von Fahrszenarien im Mischverkehr, verkehrssichere Interaktion mit anderen Verkehrsteilnehmern/-innen) sowie (3) automatisiertes Mobilitätssystem und Fahrgastinteraktion im fahrerlosen Betrieb (Einbindung in ein regionales Mobilitätssystem, Sprach- bzw. Video-basierte Fahrgastinteraktion im fahrerlosen Betrieb). Sämtliche Methoden, Technologien und Modelle werden im Projekt auf einer nichtöffentlichen (ÖAMTC Fahrtechnikzentrum Teesdorf oder Salzburg Ring) sowie zwei öffentlichen, regionalen Teststrecken (Salzburg Koppl und Wiener Neustadt) mit 100 Probanden/-innen erprobt und mit bis zu 10.000 Fahrgästen im Rahmen der NÖ Landesausstellung 2019 demonstriert. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für ein österreichisches Referenzmodell für die Realerprobung und den Betrieb von hoch- bzw. vollautomatisierten Fahrzeugen im öffentlichen Personennahverkehr. Als direkte Wirkungen werden 16 Folgeprojekte in Österreich mit einem Volumen von EUR 7.5 Mio., EUR 37 Mio. direktes internationales Marktpotential sowie mehr als 600.000 Fahrgäste in Österreich in den ersten drei Jahren nach Projektende erwartet. Digibus Austria mit einer Laufzeit von 3 Jahren wird unter der Leitung von Salzburg Research von einem hochkarätigen Partnerkonsortium von führenden Unternehmen (Kapsch TrafficCom, ÖBB Holding, PRISMA solutions, Commend, Fluidtime, HERRY Consult, EasyMile) sowie Forschungsinstituten (Virtual Vehicle, Austrian Institute of Technology, Universität Salzburg – Center for Human Computer Interaction, Universität für Bodenkultur Wien – Institut für Verkehrswesen, Factum) entlang der gesamten Wertschöpfungskette des ÖPNVs vom Fahrzeuganbieter bis zum Mobilitätsdienstleister durchgeführt.

Ultimative Integrierte Mobilitätslösungen (ULTIMOB)

Integrative Gesamtlösungen im Bereich Mobilität können entscheidend zu Erreichung gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Ziele beitragen. ULTIMOB verfolgt einen innovativen und umfassenden Ansatz, der die Nutzbarkeit des Verkehrssystems verbessert und nachhaltiges Mobilitätsverhalten fördert indem neue Angebote entstehen und auf Seiten der NutzerInnen Anreize zum Umstieg auf den Umweltverbund und gesundheitsfördernde Verkehrsmodi geschaffen werden. Dies unterstützt sowohl die Reduktion des Ressourcenverbrauchs (Energie, Fläche etc.) als auch die mit Mobilität verbundenen Emissionen und Immissionen. Auf Basis breit angelegter Pilotierungsaktivitäten bzw. der hohen Sichtbarkeit und Übertragbarkeit der Projektergebnisse, wird durch das Projekt ULTIMOB Österreichs Position im internationalen mobilitätsrelevanten Innovationssystem weiter gestärkt. Die Berücksichtigung relevanter Stakeholder-Kalküle (NutzerInnen, Betreiber, öffentliche Verwaltung etc.) und die Entwicklung geeigneter Geschäftsmodelle für die in ULTIMOB erarbeiteten Mobilitätslösungen verbessert sowohl die Wettbewerbsfähigkeit des Verkehrssektors insgesamt als auch die relative Positionierung nachhaltiger Mobilitätsmodi.

Der Ansatz im Leitprojekt ULTIMOB basiert auf zwei Säulen: (1) der Entwicklung des ULTIMOB-Leitprozesses im Spannungsfeld zwischen Technologie, NutzerInnenverhalten und Governance und (2) der Umsetzung realer Mobilitätslösungen in vier ULTIMOB-Pilotregionen.

WISE-ACT: Wider Impacts and Scenario Evaluation of Autonomous and Connected Transport (WISE-ACT)

Versuche mit Autonome Fahrzeug (AV) finden derzeit weltweit statt, und Europa spielt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung relevanter Technologien. Es gibt jedoch nur sehr begrenzt Untersuchungen zu den systemischen Auswirkungen des Einsatzes solcher Fahrzeuge in der bestehenden Straßeninfrastruktur, da unklar ist, ob und wann die Übergangsphase beginnt und endet.

Es wird davon ausgegangen, dass der Hauptnutzen einer weitverbreiteten Nutzung von AV verbesserte Erreichbarkeiten und erhöhte Verkehrssicherheit sind, weitere Nutzen einen verringerten Energieverbrauch, eine verbesserte Luftqualität oder eine bessere Nutzung des Stadtraums umfassen können. Der Schwerpunkt dieser COST-Aktion liegt daher auf beobachteten und erwarteten zukünftigen Mobilitätstrends und Auswirkungen auf das Reiseverhalten, insbesondere Carsharing, Reisezeitnutzung oder Wohnortwahl, um nur einige zu nennen. Andere wichtige Aspekte, die unter verschiedenen Einsatzszenarien untersucht werden müssen, sind soziale, ethische, institutionelle und geschäftliche Auswirkungen.

Um dies zu erreichen, muss die Zusammenarbeit zwischen einer Vielzahl von Akteuren auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, einschließlich Akademikern und Praktikern, forciert werden. Folglich wird diese COST-Aktion die Zusammenarbeit zu diesem aufkommenden Thema von globalem Interesse in Europa und darüber unterstützen.

Zusatzerhebung zur Konsumerhebung (Zusatzerhebung)

Das Institut für Verkehrswesen wird bei der nächsten Konsumerhebung (2019/20) mit der Statistik Austria kooperieren, um bei einer Substichprobe von ca. 1000 Personen zusätzlich zu den Konsumausgaben auch die Zeitnutzung und das Mobilitätsverhalten über eine Woche zu erfassen. Im Rahmen der Erhebung wird auch der Aktivitätslevel der Probanden detailliert erfasst. Zu diesem Zweck wird das Tagebuch und der Personenfragebogen entsprechend angepasst.