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Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2021-03-01 - 2025-02-28

Aktuell wird das Agrar- und Ernährungssystem von transnationalen Konzernen dominiert, welche anhand der Prinzipien von Wettbewerb, wirtschaftlichem Wachstum und Gewinnmaximierung agieren. Dieses WTO -zentrierte Nahrungsregime wird von verschiedenen sozialen Bewegungen und Produzierenden aktiv hinterfragt. Diese sind meist lokal verankert und streben eine nachhaltigere Produktion an, die Werte wie Solidarität oder Vertrauen berücksichtigen. In unserem Forschungsprojekt untersuchen wir kleine und mittelgroße Initiativen, die wir als wertebasierte Produktions- und Konsumweisen verstehen. Konkret konzentrieren wir uns auf die Solidarische Landwirtschaft und regionale Wertschöpfungsketten. Die Untersuchung geht der Frage nach, inwieweit diese kleinen und mittleren Bottom-up-Initiativen das Potenzial haben, das WTO-zentrierte Nahrungsregime (d. h. die dominierenden globalisierten Wertschöpfungsketten in der Lebensmittelproduktion) zu verändern. Forschungsziel ist, diese Initiativen und deren Funktionsweise, wie sie Unternehmensmacht und staatliche Strukturen im WTO-zentrierten Nahrungsregime verändern, zu analysieren. Das Projekt (1) entwickelt einen gemeinsamen theoretischen Rahmen, um diese wertebasierten Initiativen systematisch zu verstehen. Dabei wird die Nahrungsregime-Theorie mit anderen theoretischen Ansätzen verflochten, namentlich der Staatstheorie, dem Konzept von Sozialkapital und Territorialität. Mit Hilfe des Theorienmix werden verschiedene Initiativen auf lokaler Ebene untersucht, um anschließend die empirischen Ergebnisse in eine breitere nationale und globale Debatte einzubetten. (2) Darauf aufbauend wird ein methodisches Toolkit entwickelt, um die oben genannten Initiativen und ihre zugrundeliegenden Werte zu untersuchen. (3) Als Fallstudien werden wir Beispiele Solidarischer Landwirtschaften und regionaler Wertschöpfungsketten in der Schweiz, der Tschechischen Republik und Argentinien erforschen. (4) Der interdisziplinäre Forschungsprozess wird dabei in Hinblick auf wechselseitiges Lernen innerhalb des Teams begleitet und analysiert. Unser Forschungsansatz ist in dreierlei Hinsicht innovativ: Erstens werden in einem interdisziplinär eng verflochtenen Forschungsprozess Erkenntnisse aus der Politikwissenschaft, der Soziologie und der Geographie vereint. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht eine theoretische "Neustrukturierung" der Nahrungsregime-Theorie unter Berücksichtigung der geteilten Werte der ProduzentInnen, VerarbeiterInnen und KonsumentInnen sowie deren institutionelle Einbettung auf der lokalen, nationalen und globalen Ebene. Zweitens werden diese Aspekte mit einer Kombination von qualitativen Methoden – Interviews, teilnehmende Beobachtung und Gruppendiskussionen – erforscht. Dabei werden neue Ansätze der viszeralen Ansätze, welche die Verbindung zwischen rationalem und emotionalem Denken und Handeln fokussieren, in das methodische Toolkit integriert. Drittens bieten gewählten Fallstudien aus Argentinien, der Tschechischen Republik und der Schweiz grundlegend unterschiedliche Kontexte, so dass die Schlussfolgerungen aus unserer theoretischen und methodischen Arbeit in Hinblick auf verschiedene weltliche Kontexte ausgewertet werden können.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2021-04-01 - 2023-03-31

Ökosystemleistungen (ESS) aus Agrarlandschaften sind essenziell für die menschliche Wohlfahrt, während manche Ausprägungen (Disservices, dESS) die Wohlfahrt mindern. Das Konzept „Nature’s Contribution to People“ wurde eingeführt, um die Nachfrageseite besser zu erfassen. ServeToPe testet partizipative Methoden zur Erfassung von Angebot und Nachfrage von (d)ESS und die Rolle von „Nature’s Contribution to People“. Das soll eine nachhaltige Steuerung von (d)ESS auf Landschaftsebene ermöglichen. ServeToPe ist eine Erweiterung des Projekts SALBES (salbes.eu). Die Interview- und Modellergebnisse zu Nachfrage und Angebot von (d)ESS im Wienerwald sind der Ausgangspunkt für folgende Forschungsfragen: 1. Wie ist das derzeitige lokale, regionale und globale Angebot sowie die Nachfrage nach ESS in der Wienerwald Region? 2. Was bedeutet eine „gute Verwaltung“ („good governance“) von (d)ESS aus Sicht der Bevölkerung? 3. Wie sehen beispielhafte Instrumente einer „guten Verwaltung“ aus?
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2020-11-15 - 2020-12-31

Zu den größten derzeitigen Herausforderungen der Gesellschaft gehören die Begrenzung des Klimawandels bzw. seiner Folgen, die Sicherung einer gesunden Ernährung und der Erhalt einer intakten Kulturlandschaft mit hoher Biodiversität. Ein Wandel zu einer nachhaltigen Agrar- und Ernährungswirtschaft spielen für das Erreichen dieser Ziele eine wesentliche Rolle, wobei Nachhaltigkeit auch eine tiergerechte Nutztierhaltung und nachhaltige Konsumpraktiken miteinbezieht. In Österreich mit seinem hohen Anteil an Dauergrünland ist insbesondere die Rinderhaltung von hoher Bedeutung. Die zahlreichen Nachhaltigkeitsinnovationen in Österreich bieten zudem spannende Fallbeispiele, die Veränderungswege weit über die österreichischen und europäischen Grenzen hinaus aufzeigen können. Die Entwicklungen der letzten 70 Jahre waren produktionsseitig durch Produktivitätszuwächse, Technisierung, Spezialisierung und Intensivierung, aber auch Strukturwandel und – auf der Konsumseite – von steigenden Verzehrmengen, aber auch vermehrtem Wegwerfen, von insbesondere (billigen) Fleischprodukten, geprägt. Dies ging in der Tierhaltung häufig mit Entwicklungen einher, die zunehmend als nicht mehr tiergerecht erachtet werden. Diese Kritik hat in den vergangenen Jahren zu Innovationen für eine tiergerechtere und ökologischere Produktion geführt, aber auch zu einer steigenden Nachfrage nach Fleisch- und Milchersatzprodukten. Nachhaltigkeitsinitiativen (z.B. betriebseigene Kälbermast mit Direktvertrieb über alternative Absatzschienen wie etwa Cow-Sharing statt Export der Kälber, alternative Fütterungskonzepte, Herkunftsangaben und Nachhaltigkeitslabels, die Ganzkörper-Verwertung in der Gastronomie oder regionaler Konsum) leiden jedoch häufig an mangelndem Absatz der teureren Produkte oder zusätzlichem Zeitaufwand, trotz der gleichzeitigen Forderung der Gesellschaft nach solchen Angeboten. Ziel des Projektes ist es daher, in einem partizipativen, transdisziplinären Ansatz unter Einbezug möglichst vieler relevanter Akteure und Interessensgruppen Wege zu finden, wie eine tiergerechtere, ökologischere, ökonomisch und sozial nachhaltigere Milch- und Fleischproduktion gefördert/erreicht werden kann. Anstatt gegenseitiger „Schuldzuweisungen“, warum Ansätze mit höherer Tiergerechtigkeit und Nachhaltigkeit vielfach noch immer nicht umgesetzt werden, wollen Wissenschaft und Praxis gemeinsam an der Transformation hin zu einer nachhaltigeren Rindfleisch- und Milchversorgung arbeiten. Unser Projekt verbindet dabei Fachwissen aus den Bereichen Sozial-, Umwelt-, Agrar- und Veterinärwissenschaften auf Augenhöhe mit dem Praxiswissen all jener Akteursgruppen, deren Handeln in Zukunft darüber entscheiden wird, wie wir Rinder züchten, ernähren, halten und töten, ihre Produkte (Milch und Fleisch) verarbeiten, handeln, zubereiten, konsumieren und – hoffentlich nicht – wegschmeißen.

Betreute Hochschulschriften