Die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie bemühen sich, die Interaktion zwischen sozialen und natürlichen Systemen als deren Koevolution theoretisch und methodisch fundiert zu beschreiben.

Den Kern einer sozial-ökologischen Theorie bilden die Konzepte "Gesellschaftlicher Metabolismus" und "Kolonisierung natürlicher Systeme." Darin verbinden sich Vorstellungen aus den verschiedensten Wissenschaftstraditionen - Biologie, Soziologie, Ökonomie, Technik, Geschichte, Geografie und Kulturanthropologie - zu einer kohärenten Sichtweise der Gesellschaft-Natur-Beziehung.

Diese Sichtweise bringen die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie ein bei der konzeptuellen wie praktischen Entwicklung von Informationssystemen für die Umweltfolgen menschlichen Handelns ("pressures upon the environment"), und sie leitet unsere Forschung zu ökologischen und sozio-ökonomischen Aspekten nachhaltiger Entwicklung im lokalen, nationalen und globalen Maßstab.

Das Methodenspektrum erstreckt sich von Material- und Energieflussanalysen (MFA und EFA) und auf GIS und Fernerkundung basierten Verfahren über systemische Akteurs- und Organisationsanalysen bis zur Arbeit mit historischen Quellen. Zunehmend werden auch Modellierungsverfahren zur Datensimulation, zur synthetischen Präsentation von Ergebnissen und als Grundlage für Szenarios benutzt. Ermöglicht wird dies durch eine stabile interdisziplinäre Kooperationskultur und intensive Teamarbeit.

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Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2019-11-01 - 2021-10-31

Im Februar 2018 haben etwa 1 Million ArbeitnehmerInnen in Deutschland das Recht gewonnen, ihre wöchentliche Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre von 35 auf 28 Stunden zu reduzieren. Dies gilt bspw. für die Angestellten von Großkonzernen wie Bosch und Daimler. Die Option zur Arbeitszeitreduktion in einer der zentralen Industriesparten Deutschlands verstärkt internationale Diskussionen und kann für laufende Bemühungen in anderen Sparten und Ländern richtungsweisend werden. Diese Entwicklungen sind von großen Interesse, weil sie drei globale Trends verbindet: 1) die Zukunft der Arbeit unter voranschreitender Automatisierung, 2) Änderungen im täglichen Leben im Kontext hohen Wohlstands und der Sättigung von Grundbedürfnissen zumindest in großen Teilen Deutschlands, 3) die dringende Notwendigkeit transformativer Zugänge zur Nachhaltigkeits- & Klimakrise. Ökologische ÖkonomInnen debattieren seit geraumer Zeit über die Potentiale von Arbeitszeitreduktion um einer Reihe von gesellschaftlichen Problemen beizukommen: Verringerung des individuellen Zeit-Drucks, der Arbeitslosigkeit, sowie des Energieverbrauchs und Emissionen, aufgrund von sinkender Mobilität und Konsum. Jedoch gibt es nur wenige empirische Arbeiten, welche sowohl die Aspirationen und Praktiken jener untersucht, welche freiwillig ihre Arbeitszeit reduzieren, als auch die Implikationen für Umwelt- und Ressourcenverbrauch quantifiziert. Bspw muss gefragt werden, ob die gewonnene Freizeit in private Flugreisen investiert wird und jegliche Klimavorteile von weniger Arbeit & weniger Pendeln zunichte macht. In diesem Forschungsprojekt geht es somit darum, die real stattfindenden Veränderungen im täglichen Leben derjenigen zu erforschen, welche ihre Arbeitszeit innerhalb des besagten Modells reduzieren und heraus zu finden, ob Arbeitszeitreduktion als „win-win“ Strategie für Lebensqualität und Reduktion von Energie- und Emissionen betrachtet werden kann. Zwei konkrete Fragen sollen beantwortet werden: Erstens, soll verstanden werden, warum ArbeitnehmerInnen ihre Arbeitszeit reduzieren, indem Motivationen und Veränderungen von Praktiken im täglichen Leben beleuchtet werden. Für diesen Zweck werden online Befragungen und Fokusgruppen-Interviews eingesetzt. Dadurch soll klarer werden, welche Aspekte von Arbeitszeitreduktion sozial attraktiv sind und unter welchen Bedingungen eine solche popularisiert werden könnte. Zweitens wird untersucht, ob Arbeitszeitreduktion zu einer Reduktion des Energieverbrauchs bzw der Klima-Emissionen führt, welche direkt und indirekt mit dem täglichen Leben der teilnehmenden ArbeitnehmerInnen verbunden sind („CO2 Fußabdruck“). Dies wird durch die Integration der Ergebnisse der Online Befragungen und Fokus-Gruppen mit Haushalts-Konsumstatistiken und einem umwelt-erweiterten multi-regionalen Input-Output Modells erfolgen und Reduktionspotentiale des CO2 Fußabdruck aufzeigen. Somit soll bestimmt werden, unter welchen Bedingungen Arbeitszeitreduktion sowohl sozial als auch für Emissionsreduktionen vorteilhaft sein kann und wie diese Potentiale verstärkt werden könnten. Dabei stehen die Aspirationen der Menschen, real stattfindende Veränderungen des täglichen Lebens und der Mobilität, sowie des Konsum-Fußabdrucks im Zentrum. Dabei fokussieren wir insbesondere auf die zentrale Rolle von bezahlter Arbeit in der Strukturierung des täglichen Lebens und der Mobilität. Mit diesem Projekt möchten wir Einsichten für die Vision einer nachhaltigeren Gesellschaft liefern.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2019-09-01 - 2022-08-31

Ziel des Projektes "Managing Climate cHange impacts on land use and EcoSystem Services" (CHESS) ist es, Paradigmen und Strategien des Landnutzungsmanagements in Gegenwart des Klimawandels zu überdenken und Änderungen an bestehenden Strategien vorzuschlagen, um sie unter zukünftigen Umweltbedingungen, insbesondere in einem sich erwärmenden Klima, funktionsfähig zu machen. Wir tun dies, indem wir (i) ein agentenbasiertes Modell (ABM) für klimabedingte Landnutzungsänderungen anpassen, das kürzlich für zwei repräsentative österreichische Fallstudienregionen entwickelt wurde. Das ABM stützt sich auf relevante Akteure, in erster Linie Landmanager wie landwirtschaftliche Betriebe, die Landnutzungsentscheidungen von Rahmenbedingungen (z.B. Agrarpreise und Subventionen) sowie von intrinsischen Präferenzen und gesellschaftlichen Normen abhängig machen, die sich im Laufe der Zeit ändern können. Es wird unter drei Szenarien unter Berücksichtigung von Sozioökonomie und Klimawandel durchgeführt und wird Vorhersagen für die Landnutzungsänderung bei sehr hoher Auflösung der Landparzellen liefern. Daraus werden wir (ii) die durch den Klimawandel und die Landnutzungsänderung ausgelösten Veränderungen bei der Bereitstellung von neun Ökosystemdienstleistungen ableiten, die sich auf landwirtschaftliche Flächen mit hohem Naturwert, Lebensräume und Arten, die Fragmentierung von Lebensraumtypen, Bodenschutz, Insektenbestäubung, C-Sequestrierung im Boden, Bodenfruchtbarkeit, landwirtschaftliche Produktion (Pflanzen) und Trinkwasser beziehen. Anschließend werden wir (iii) die wichtigsten Herausforderungen identifizieren, sowie eine Politikanalyse durchführen und Landnutzungsmanagementempfehlungen ableiten, um die Widerstandsfähigkeit des Systems zu erhöhen und dem Verlust von ESSs entgegenzuwirken, und (iv) die Beteiligung der Interessengruppen ermöglichen und die Ergebnisse aufarbeiten, um die Anwendbarkeit der Projektergebnisse für Entscheidungsträger und ihre Aufnahme in die Umweltforschung und -politik zu verbessern. Damit wird CHESS Antworten auf hochrelevante politische Fragen geben, z.B. welche Landnutzungsszenarien für Österreich konkret unter verschiedenen sozioökonomischen Rahmenbedingungen entstehen werden und welche Anpassungsmaßnahmen notwendig sind, um die Versorgung mit wesentlichen klimabedingten Ökosystemleistungen nachhaltig zu erhalten. Dieser Ansatz wird es ermöglichen, Synergien und Kompromisse in Bezug auf das ESS-Angebot zwischen politischen Strategien und Instrumenten zu untersuchen. Durch die Verwendung von Szenarien, die sowohl Maßnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeit und zur Minderung des Klimawandels berücksichtigen, können wir auch die Frage nach dem erforderlichen Design für solche Maßnahmen beantworten, um andere Ökosystemleistungen langfristig nicht zu schädigen oder gar zu unterstützen. Schließlich werden wir gemeinsam mit Stakeholdern und Landnutzern aktuelle österreichische Landnutzungsmanagementstrategien und -paradigmen diskutieren und Empfehlungen zur Reduzierung CC-getriebener Auswirkungen auf die ESS-Versorgung entwickeln. Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2019-07-15 - 2019-10-14

Seit der Implementierung der ersten Europäischen Strategie für Umweltgesamtrechnung (ESEA) in 2003 haben Europäische politische VertreterInnen die Wichtigkeit der Umweltgesamtrechnung als Instrument für nachhaltige Entwicklung und die EU Umweltpolitik erkannt. Eurostat ist, gemeinsam mit den nationalen statistischen Ämtern, verantwortlich für die Berichterstattung. Um die Mitgliedsstaaten in der Aufbereitung der vielfältigen Daten der Umweltgesamtrechnung zu unterstützen, stellt Eurostat Handbücher, Fragebögen, und Datenbanken bereit, oder führt Pilotstudien in einzelnen Ländern durch. Die Materialien dazu sind auf der Eurostat website verfügbar. Manche der vielfältigen Eurostat Aktivitäten werden an Vertragsnehmer ausgelagert. Innerhalb dieses Vertrages ist das Institut für Soziale Ökologie verantwortlich für die Abhaltung eines 2-tägigen Training-Workshops für VertreterInnen der Europäischen Statistischen Ämter zu den Methoden der Materialflussanalyse.