Die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie bemühen sich, die Interaktion zwischen sozialen und natürlichen Systemen als deren Koevolution theoretisch und methodisch fundiert zu beschreiben.

Den Kern einer sozial-ökologischen Theorie bilden die Konzepte "Gesellschaftlicher Metabolismus" und "Kolonisierung natürlicher Systeme." Darin verbinden sich Vorstellungen aus den verschiedensten Wissenschaftstraditionen - Biologie, Soziologie, Ökonomie, Technik, Geschichte, Geografie und Kulturanthropologie - zu einer kohärenten Sichtweise der Gesellschaft-Natur-Beziehung.

Diese Sichtweise bringen die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie ein bei der konzeptuellen wie praktischen Entwicklung von Informationssystemen für die Umweltfolgen menschlichen Handelns ("pressures upon the environment"), und sie leitet unsere Forschung zu ökologischen und sozio-ökonomischen Aspekten nachhaltiger Entwicklung im lokalen, nationalen und globalen Maßstab.

Das Methodenspektrum erstreckt sich von Material- und Energieflussanalysen (MFA und EFA) und auf GIS und Fernerkundung basierten Verfahren über systemische Akteurs- und Organisationsanalysen bis zur Arbeit mit historischen Quellen. Zunehmend werden auch Modellierungsverfahren zur Datensimulation, zur synthetischen Präsentation von Ergebnissen und als Grundlage für Szenarios benutzt. Ermöglicht wird dies durch eine stabile interdisziplinäre Kooperationskultur und intensive Teamarbeit.

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Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2022-03-15 - 2023-03-14

Unsere wachstumsorientierte Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen; unsere Erde zeigt uns zunehmend, dass wir an die physischen Grenzen des Planeten stoßen. Die Umweltkrisen, allem voran der Klimawandel, sind eine direkte Folge des gesellschaftlichen Metabolismus, das heißt ergeben sich aus der Menge und Art der natürlichen Ressourcen, die wir aus der Natur entnehmen, in Produktion und Konsum nutzen (gesellschaftliche Inputs), und den Abfallstoffen, die wir an die Natur (Luft, Wasser und Boden) wieder abgeben (gesellschaftliche Outputs). Eine Transformation hin zu Nachhaltigkeit ist gefordert, wir müssen die Menge der Ressourcen, die wir verbrauchen, reduzieren. Wichtige politische Programme wie die globalen Nachhaltigkeitsziele der UN (Sustainable Development Goals, SDG) oder die Smart City Wien Rahmenstrategie sehen in der Kreislaufwirtschaft eine Schlüsselrolle bei der Verknüpfung verschiedener politischer Ziele wie Ressourceneffizienz, Dekarbonisierung und der Verringerung von Umweltbelastungen. Die gesamtwirtschaftliche Kreislaufwirtschaft hat zum Ziel, die Nutzung von Materialien und Produkt(teil)en deutlich zu verlängern, damit gesellschaftliche Outputs an und Ressourceninputs aus der Natur reduziert werden. Weiters soll der gesamte Materialdurchfluss einer Gesellschaft so verändert werden, dass er innerhalb ökologisch verträglicher Grenzen geführt wird und ökologische Kreisläufe nur im Rahmen ihrer Reproduktionskapazitäten genutzt werden. Das empirische Monitoring der Kreislaufwirtschaft betrachtet daher Inputs an Primärrohstoffen, gesellschaftliche Outputs, und Recyclingflüsse, sowie den Anteil biogener und fossiler Energierohstoffe darin. Neben den stofflichen Flüssen müssen auch die gesellschaftlichen Bestände an Gebäuden, Infrastrukturen, Produkten und Geräten berücksichtig werden, damit die Massenbilanz korrekt geschlossen werden kann. Urbane Zentren werden als wichtige Bausteine in der Transformation zu Nachhaltigkeit gesehen. Das Projekt VICE widmet sich daher der Stadt Wien und ihren Möglichkeiten aber auch Grenzen in der Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft. Es wird davon ausgegangen, dass der urbane Metabolismus Wiens weit davon entfernt ist, zirkulär zu sein, da Städte kontinuierlichen Input an Material und Energie benötigen, die in Materialbeständen angehäuft oder als Abfälle und Emissionen wieder an die natürliche Umwelt abgegeben werden. Da Wien stark in das heimische Umland und die globale Wirtschaft eingebettet ist und große Mengen an große Mengen nach Wien importiert aber auch aus der Stadt in andere Regionen exportiert, wird das Projekt auch den vorgelagerten Ressourcenbedarf (Fußabdruck) integrieren. In einer detaillierteren Analyse werden weitergehende Bewertungen für (1) die Gebäude und Infrastruktur, und (2) die Bioökonomie und die potenzielle Rolle beider in einer zirkulären urbanen (Bio-)Ökonomie durchgeführt. Die Ergebnisse dieser beiden Schwerpunktstudien werden in den umfassenden Rahmen der Kreislaufwirtschaft für die Stadt Wien integriert, um dann Optionen für politische Maßnahmen zu identifizieren.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2021-11-01 - 2024-10-31

UNRAVEL zielt darauf ab, die Optionsräume für eine mit den Nachhaltigkeitszielen kompatible Holznutzung in Österreich zu ergründen. UNRAVEL wendet sich dabei dezidiert von konventionellen Forschungsfragen ab, die die Auswirkungen verschiedener Waldnutzungsstrategien auf den Kohlenstoffhaushalt quantifizieren. Stattessen nimmt UNRAVEL existierende oder notwendige Kohlenstoffsenken als Ausgangspunkt und leitet davon nachhaltige Biomassepotenziale ab. UNRAVEL (englisch für entwirren, enträtseln, auftrennen, aufdröseln, einen Knoten lösen, hinter ein Geheimnis kommen) wird anhand von Methoden der Material- und Energieflussanalyse und der Waldmodellierung Potenziale für die Holzverwendung in Österreich unter Berücksichtigung bestimmter Nachhaltigkeitsgrenzen berechnen. Diese Nachhaltigkeitsgrenzen werden konkret aus Wald-C-Sequestrierungszielen für 2040, 2070 und 2100 abgeleitet, die dem 1,5°- und 2°C-Klimawandelpfad entsprechen. Dabei werden erwartbare Auswirkungen des Klimawandels und der internationalen Einbettung des österreichischen Holzbereitstellungssystems explizit berücksichtigt. UNRAVEL will damit Einsichten zu den systemischen Zusammenhängen zwischen Holzbereitstellung, C-Sequestrierung, Biodiversität und Ökosystemleistungsbündeln gewinnen, wobei der Fokus dabei auf Österreichs Wäldern und Österreichs Holznutzung liegt. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zu einem nuancierten Diskurs über Formen einer nachhaltigen Waldnutzung, die Initiativen wie den Green-Deal, die Bioökonomie-strategie und die Erneuerbare-Energie Direktive (RED) der EU informieren.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2021-01-01 - 2023-12-31

EPICUR, die Europäische Partnerschaft für einen innovativen Campus, der Regionen verbindet, ist eine europäische Universitätsallianz der ersten Generation, die sich der Gestaltung der europäischen Gesellschaft im Wandel durch die Entwicklung von kollaborativem inter- und transdisziplinärem Lehren und Lernen widmet. Nun, da die Allianz eine Finanzierung für die Etablierung ihrer ergänzenden Forschungsagenda anstrebt, erweitert EPICUR sein Spektrum auf Forschung, Innovation und Interaktion mit der Gesellschaft. EPICUR ist davon überzeugt, dass die zukünftige EPICUR-Forschung auf folgende Weise einen Unterschied machen kann: Unsere Allianz ist überzeugt, dass internationale Zusammenarbeit den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt fördert, daher wird EPICUR eine gemeinsame Forschungsagenda entwickeln und einen inter- und transdisziplinären Ansatz verfolgen, um drängende Forschungsfragen anzugehen, die wir EPIChallenges nennen. EPICUR hat Nachwuchswissenschaftler:innen als primäre Zielgruppe identifiziert, um mit neuen Formaten für die virtuelle Vernetzung und Gestaltung ihrer akademischen Karriere zu experimentieren. Sie werden eingeladen, die EPICommunity mitzugestalten, ein neues Social-Media-Netzwerk, das auf einem attraktiven Gamification-Design basiert. Dieses Netzwerk bietet neue Tools, die dabei helfen, die Sichtbarkeit wissenschaftlicher Leistungen und Fähigkeiten zu erhöhen und Mobilität zu erleichtern. EPICUR-Forscher werden ermutigt, sich in EPIClustern zusammenzuschließen, experimentellen offenen Forschungsformaten, um EPIChallenges gemeinsam mit Partnern aus außeruniversitären Bereichen anzugehen und die gemeinsame Nutzung der hochmodernen Forschungsinfrastrukturen des Konsortiums zu erproben. Als stolzes Mitglied der ersten Kohorte europäischer Universitätsallianzen wird EPICUR intelligente Verbindungen zu unseren Peer-Allianzen in EPIConnect aufbauen, um die Erarbeitung gemeinsamer politischer Empfehlungen für die Gestaltung der Universitäten der Zukunft zu erleichtern.

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