Die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie bemühen sich, die Interaktion zwischen sozialen und natürlichen Systemen als deren Koevolution theoretisch und methodisch fundiert zu beschreiben.

Den Kern einer sozial-ökologischen Theorie bilden die Konzepte "Gesellschaftlicher Metabolismus" und "Kolonisierung natürlicher Systeme." Darin verbinden sich Vorstellungen aus den verschiedensten Wissenschaftstraditionen - Biologie, Soziologie, Ökonomie, Technik, Geschichte, Geografie und Kulturanthropologie - zu einer kohärenten Sichtweise der Gesellschaft-Natur-Beziehung.

Diese Sichtweise bringen die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie ein bei der konzeptuellen wie praktischen Entwicklung von Informationssystemen für die Umweltfolgen menschlichen Handelns ("pressures upon the environment"), und sie leitet unsere Forschung zu ökologischen und sozio-ökonomischen Aspekten nachhaltiger Entwicklung im lokalen, nationalen und globalen Maßstab.

Das Methodenspektrum erstreckt sich von Material- und Energieflussanalysen (MFA und EFA) und auf GIS und Fernerkundung basierten Verfahren über systemische Akteurs- und Organisationsanalysen bis zur Arbeit mit historischen Quellen. Zunehmend werden auch Modellierungsverfahren zur Datensimulation, zur synthetischen Präsentation von Ergebnissen und als Grundlage für Szenarios benutzt. Ermöglicht wird dies durch eine stabile interdisziplinäre Kooperationskultur und intensive Teamarbeit.

Themenfelder

Neueste SCI Publikationen

Neueste Projekte

Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2019-11-15 - 2021-03-14

Österreich war sehr erfolgreich in der Umsetzung der Energiestrategie, im Bereich Ressourceneffizienz und Klimaschutz ist Österreich allerdings noch weit von den (inter)nationalen Zielen entfernt. Internationale Berichte und politische Programme betonen zunehmend den möglichen Beitrag von Ressourceneffizienz zu Klimaschutz und zum Erreichen des Pariser Klimaschutzabkommens (2015). Dennoch gibt es bisher wenig Studien, die den Zusammenhang zwischen Ressourceneffizienz und Klimaschutz und im speziellen den Beitrag von Wirtschaftsaktivitäten zur Einsparung von Treibhausgasemissionen untersuchen. Im Projekt REDEC wurden Synergiepotenziale zwischen Ressourceneffizienz (gemessen in Materialflüssen) und Klimaschutz (gemessen in CO2 Emissionen) für Österreich gesamtwirtschaftlich untersucht. Dabei wurden drei hotspots unter den Wirtschaftsaktivitäten identifiziert: Bauaktivitäten, Nahrungsmittelproduktion, und der Gesundheitssektor. Im Projekt REDEC#2 werden die österreichischen Bauaktivitäten nun genauer untersucht. Darüber hinaus werden erste Schritte in der Integration von MFA Daten in dem Modell MonMech geplant und umgesetzt. Diese Analyse soll beitragen, den notwendigen materiellen Umbau unserer Gesellschaft differenzierter zu betrachten, um daraus konkrete Empfehlungen ableiten zu können.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2019-12-01 - 2020-04-30

Wilderness Character Mapping (WCM) ist ein in den USA entwickeltes Methoden-Framework, um den Wildnischarakter von Schutzgebieten, im speziellen von Nationalparks, in räumlich explizierter Art und Weise zu beschreiben. Die Qualität des Wildnischarakters eines Gebietes wird in dieser Handlungsanleitung, die von Tricker & Landres (2017) entwickelt wurde, anhand der Merkmale „Naturnähe“, „Wildheit“, „Unerschlossenheit“, „Qualität des Naturerlebens“ sowie „Andere Werte und Besonderheiten“ abgeleitet. In dieser Arbeit soll für den Nationalpark Hohe Tauern Salzburg eine WCM-Studie durchgeführt werden, die den Wildnischarakter des Gebietes beschreibt und kartographisch darstellt. Dafür muss die für die Situation der US-Nationalparks entwickelte Methodik auf die speziellen Umstände des Nationalparks Hohe Tauern und der Verhältnisse des Bundeslands Salzburg adaptiert werden. Dieses Vorhaben wird in Zusammenarbeit und in Absprache mit der Nationalparkverwaltung erfolgen. Die erwarteten Resultate können dafür herangezogen werden um einerseits die Gefährdung von vorhandenen Wildnisqualitäten ableiten zu können und andererseits Flächen mit Entwicklungspotenzial aufzeigen zu können. Ein Vorteil des WCM-Frameworks besteht darin, reproduzierbar die Grundlagen für ein langfristiges Monitoring zu schaffen. Basierend darauf können Empfehlungen für die verbesserte Umsetzung von Prozessschutz erarbeitet werden, die langfristig zur Sicherung und zur Entwicklung des Wildnischarakters des Nationalparks Hohe Tauern Salzburg beitragen.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2020-01-01 - 2021-09-30

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft gewinnt als umfassende Strategie zu ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung. Hohe Erwartungen und konkurrierende Ansprüche an das Konzept machen systematische, umfassende empirische Untersuchungen zur Validierung des Konzepts erforderlich. Es geht einerseits darum, den Status quo zu verstehen und andererseits um die Entwicklung geeigneter Handlungsempfehlungen, die nicht in Problemverlagerung münden. Vor kurzem wurde von der BOKU ein umfassender, gesamtwirtschaftlicher Monitoring-Ansatz entwickelt, der den gesamten Material- und Energieverbrauch sowie die daraus resultierenden Abfälle und Emissionen umfasst (Haas et al. 2015; Jacobi et al. 2018; Mayer et al. 2019; De Vit et al. 2019). Dieser gesamtwirtschaftliche CE-Monitoring-Ansatz wurde als makroökonomischer Rahmen (Europäische Kommission 2018a, 2018b) in das CE-Richtlinienwerk der Europäischen Kommission aufgenommen und ist Teil der Rohstoffbilanzierung geworden (European Union et al. 2016, 2018). In diesem Projekt wird jener Monitoring-Ansatz verwendet, um Strategien zur Steigerung der nachhaltigen Zirkularität in Südafrika zu formulieren. In den letzten Jahren haben sich in Südafrika Ressourcenverbrauch (Schandl et al. 2017) sowie Abfallmengen gesteigert und damit auch die daraus resultierende Abfallpolitik ausgeweitet. Die Kreislaufwirtschaft wurde als neues Paradigma der nachhaltigen Ressourcennutzung und des Abfallmanagements vorgeschlagen (Godfrey and Oelofse 2017). Eine umfassende Bewertung des Status quo und der Möglichkeiten zur Steigerung der Zirkularität in der südafrikanischen Wirtschaft wurden bisher allerdings noch nicht durchgeführt. In dieser Studie adaptieren wir ein bereits entwickeltes CE-Monitoring-Rahmenwerk, das für die EU-28 bereits angewendet wurde, für Südafrika, ein Land in einer bestimmten Entwicklungsstufe. Dadurch können für südafrikanische Stakeholder, wie nationale und lokale Regierungseinrichtungen, Unternehmen, NGOs etc., Chancen identifiziert werden, die Zirkularität in der Südafrikanischen Wirtschaft zu steigern. Dies bietet einen evidenzbasierten Ansatzpunkt, strategische Interventionspunkte innerhalb der südafrikanischen Wirtschaft zu identifizieren, an denen mit Maßnahmen zur Steigerung der Zirkularität und der lokalen Wirtschaftsentwicklung inkl. Schaffung von Arbeitsplätzen wirksam angesetzt werden kann.