Die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie bemühen sich, die Interaktion zwischen sozialen und natürlichen Systemen als deren Koevolution theoretisch und methodisch fundiert zu beschreiben.

Den Kern einer sozial-ökologischen Theorie bilden die Konzepte "Gesellschaftlicher Metabolismus" und "Kolonisierung natürlicher Systeme." Darin verbinden sich Vorstellungen aus den verschiedensten Wissenschaftstraditionen - Biologie, Soziologie, Ökonomie, Technik, Geschichte, Geografie und Kulturanthropologie - zu einer kohärenten Sichtweise der Gesellschaft-Natur-Beziehung.

Diese Sichtweise bringen die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie ein bei der konzeptuellen wie praktischen Entwicklung von Informationssystemen für die Umweltfolgen menschlichen Handelns ("pressures upon the environment"), und sie leitet unsere Forschung zu ökologischen und sozio-ökonomischen Aspekten nachhaltiger Entwicklung im lokalen, nationalen und globalen Maßstab.

Das Methodenspektrum erstreckt sich von Material- und Energieflussanalysen (MFA und EFA) und auf GIS und Fernerkundung basierten Verfahren über systemische Akteurs- und Organisationsanalysen bis zur Arbeit mit historischen Quellen. Zunehmend werden auch Modellierungsverfahren zur Datensimulation, zur synthetischen Präsentation von Ergebnissen und als Grundlage für Szenarios benutzt. Ermöglicht wird dies durch eine stabile interdisziplinäre Kooperationskultur und intensive Teamarbeit.

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Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2022-10-01 - 2026-09-30

ForestNavigator zielt darauf ab, das Klimaschutzpotenzial der europäischen Wälder und forstbasierten Sektoren durch die Modellierung verschiedener politischer Pfade in Übereinstimmung mit den besten Standards der LULUCF-Berichterstattung umfassend zu bewerten und so die Behörden über den am besten geeigneten Ansatz für die Forstpolitik und die forstbasierte Bioökonomie zu informieren. ForestNavigator ist in erster Linie auf Europa ausgerichtet und enthält sorgfältig ausgewählte Fallstudien aus EU-Ländern, um die Kohärenz der EU- und nationalen Pfade zu verbessern. Das Projekt betrachtet aber auch die globale Ebenel, insbesondere ausgewählte wichtige EU-Forsthandelspartner, um die externen Faktoren angemessen darzustellen und gleichzeitig mögliche Verlagerungseffekte zu berücksichtigen. Das Projekt wird eine neue Generation eines integrierten politischen Modellierungsrahmens für die Wälder und die forstliche Bioökonomie in der EU entwickeln und anwenden, der i) alle relevanten Optionen zur Abschwächung des Klimawandels (Aufforstung und andere forstwirtschaftliche Aktivitäten, Vergrößerung des Pools an geernteten Holzprodukten sowie Material- und Energiesubstitution) abbildet, ii) die Auswirkungen des Klimawandels, einschließlich biophysikalischer Rückkopplungen und natürlicher Störungen, als festen Bestandteil der Analyse einbezieht, iii) klimarelevante und biodiversitätsrelevante politische Fragen konsistent abbildet, iv) die Auswirkungen auf die Ökosystemleistungen des Waldes und andere Waldfunktionen, einschließlich Arbeitsplätzen und grünem Wachstum, systematisch berücksichtigt. Um die Zugänglichkeit der Modelle und Bewertungen, ihr Verständnis und ihre Transparenz zu verbessern, wird eine neuartige Plattform für die Entscheidungsfindung eingerichtet, die aus i) einer Webplattform und ii) einer Stakeholdergruppe, die politische Entscheidungsträgern in der EU und einschlägige nationale Behörden (Forum für forstpolitische Modellierung) einbezieht. Um seine Ziele zu erreichen, wird ForestNavigator i) nationale Daten, einschließlich Verzeichnisse, neue Satellitendatenprodukte und Modelle, integrieren und kontinuierlich aktualisieren, ii) von hochkomplexen Wald- und Klimamodellen ausgehen und diese mit Hilfe von Emulatoren zu operationellen politischen Modellierungsinstrumenten ausbauen, iii) biophysikalische und sozioökonomische Informationen integrieren, iv) zeitliche Maßstäbe einbeziehen, v) die Wälder der EU und die forstliche Bioökonomie im breiteren Kontext anderer Landnutzungs- und Wirtschaftssektoren betrachten, vi) geografische Skalen explizit betrachten (vom Grid über Natzionalstaten, der EU Ebene sowie den globalen Kontext, vii) sich auf Beiträge von Entscheidungsträgern und Experten aus allen geografischen und thematischen Bereichen stützen.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2022-09-01 - 2026-08-31

CircEUlar wird das Potenzial der Kreislaufwirtschaft (CE) bewerten, um zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen und insbesondere zu einem kohlenstoffarmen Übergang in der EU beizutragen. Das Projekt wird sich gleichermaßen mit angebots- und nachfrageseitigen Optionen für den Übergang zur Kreislaufwirtschaft befassen. Ein Schwerpunkt des Projekts wird die Verbesserung bestehender Modellierungsinstrumente sein, um zukünftige Szenarien für den Übergang zur Kreislaufwirtschaft in der EU zu bewerten und dabei auch die Einbettung der EU in die Weltwirtschaft zu beurteilen. Das Projekt befasst sich mit drei Schwerpunktbereichen (FA): Mobilität, Gebäude und Digitalisierung. Ein transdisziplinärer Stakeholder-Prozess und Verbreitungsaktivitäten sind weitere wichtige Elemente des Projekts. Das Projekt wird vom IIASA geleitet, weitere wichtige Partner sind die University of East Anglia, die Technische Universität Berlin und die Ludwigs-Maximilians-Universität München. Das Institut für Soziale Ökologie (BOKU) wird vor allem die dynamische Modellierung von Materialbeständen und -strömen beisteuern, um innovative Maßnahmen zur systemweiten Kreislaufwirtschaft zu entwickeln.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2022-12-01 - 2025-11-30

Die Anpassung an den Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen bei der Stärkung der Widerstandsfähigkeit der sozial-ökologischen Systeme. Da die Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse voraussichtlich zunehmen wird, treten negative Auswirkungen auf Ökosysteme, menschliches Wohlergehen und wirtschaftlichen Wohlstand in immer größerem Ausmaß auf. Die Anfälligkeit des Agrarsektors für den Klimawandel ist besonders hoch, und die Notwendigkeit, entsprechend zu handeln, wird von wichtigen internationalen Gremien seit langem anerkannt. Obwohl viele Länder inzwischen Anpassungsmaßnahmen auf nationaler Ebene ergriffen haben, gibt es bisher nur wenige Belege für eine tatsächliche Verringerung des Klimarisikos. Die Wirksamkeit der Anpassung hängt von der lokalen Kontextualisierung der Maßnahmen und der Einbindung in die lokale langfristige politische Agenda ab, da sich one-size-fits-all policies zunehmend als unzureichend erweisen. Ein wichtiger Punkt dabei ist, das Verhalten der einzelnen Landnutzer in ihrem spezifischen sozio-ökologischen Kontext zu verstehen, da dies der Schlüssel zur Steigerung der Wirksamkeit von Anpassungsstrategien ist. Daher ist die Erforschung der regional eingebetteten Entscheidungsprozesse von Landnutzern und ihrer Interdependenzen über räumliche und zeitliche Skalen hinweg von zentraler Bedeutung für die Entwicklung einer nachhaltigen Landnutzungspolitik und die kohärente Steuerung der Anpassung an den Klimawandel. Dazu gehört die systematische Identifizierung und Bewertung von Triebkräften für Landnutzungsänderungen, die sich aus intrinsischen Motivationen und kognitiven Prozessen (wie Einstellung oder Kultur) sowie aus ökologischen, sozioökonomischen und politischen Rahmenbedingungen (wie Betriebsstruktur, Klima oder Subventionssystem) ergeben. Die übergreifenden wissenschaftlichen Ziele dieses Projektes sind daher (a) die Förderung des Verständnisses und der Bewertung des Entscheidungs- und Anpassungsverhaltens von Landnutzern an den Klimawandel in unterschiedlichen regionalen Kontexten, (b) die Entwicklung eines neuen agentenbasierten Modellierungsansatzes zur standortübergreifenden Untersuchung der mittel- bis langfristigen Auswirkungen biophysikalischer und sozialer Rahmenbedingungen, die diesen Entscheidungsprozessen zugrunde liegen, und (c) die Berechnung von Szenarien des Landnutzungswandels und die Untersuchung der räumlichen Muster und der zeitlichen Dynamik, die sich aus bestimmten kontrafaktischen Szenarien ergeben.

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