Der Tagliamento (Friaul/Oberitalien) ist einer der letzten frei fließenden Flüsse Europas. | Foto: Alexander Sukhodolov

Der Tagliamento (Friaul/Oberitalien) ist einer der letzten frei fließenden Flüsse Europas. | Foto: Alexander Sukhodolov

Eine aktuelle, internationale Studie unter starker Beteiligung der BOKU University zeigt Wege zur Umsetzung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung degradierter Ökosysteme auf. Die in Nature Communications Earth & Environment publizierte Arbeit präsentiert eine integrative, praxisorientierte Roadmap zur Renaturierung europäischer Flüsse.

Hintergrund der Studie ist der kritische Zustand europäischer Flusssysteme: Über eine Million Barrieren beeinträchtigen die Durchgängigkeit, rund 90 % der Auen sind degradiert, und weniger als die Hälfte der Flüsse erfüllt die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung degradierter Ökosysteme sieht daher die Wiederherstellung von mindestens 25.000 Kilometern frei fließender Flüsse bis 2030 vor.

Die Studie unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) identifiziert 27 Prioritäten, basierend auf Beiträgen von Expert*innen aus 45 Ländern, und leitet daraus eine strukturierte Vorgehensweise ab. Statt einer Einheitslösung schlagen die Forschenden einen flexiblen Prozess vor, der an unterschiedliche ökologische, soziale und politische Rahmenbedingungen angepasst werden kann. Zentrale Schritte umfassen die Analyse von Flusszuständen, die gemeinsame Entwicklung von Maßnahmen mit Stakeholdern, sowie deren Finanzierung, Umsetzung und Evaluierung. 

Die drei wichtigsten Forschungsprioritäten sind: 

  • Förderung der Biodiversität und Ökosystemfunktionen,
  • Entwicklung gezielter Priorisierungsstrategien
  • Etablierung von Standards für Renaturierungsmaßnahmen.

Starke BOKU-Beteiligung in internationaler Spitzenforschung

An der Studie war ein siebenköpfiges Forschungsteam des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement der BOKU University beteiligt: Olena Bilous, Florian Borgwardt, Thomas Hein, Paul Meulenbroek, Astrid Schmidt-Kloiber, Stefan Schmutz und Martin Tschikof.

„Als Gewässerökologin sehe ich, dass Renaturierung nur dann erfolgreich ist, wenn wir ökologische Aspekte mit den Bedürfnissen der Menschen verbinden. Werden Akteur*innen vor Ort frühzeitig eingebunden, steigt auch die Akzeptanz für Maßnahmen deutlich. Dieser Weg ist oft aufwendig, aber unerlässlich. Entscheidend ist daher, Stakeholder aktiv einzubeziehen und zugleich die Kompetenzen von Praktiker*innen und Entscheidungsträger*innen zu stärken, damit wissenschaftliche Erkenntnisse wirksam in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden können“, betont Astrid Schmidt-Kloiber.

Impulse aus dem Donauraum für Europas Flüsse

In diese Studie fließen insbesondere Analysen zum Zustand und Potenzial frei fließender Flusssysteme aus dem Donauraum ein. Aktuell wird im Projekt DANUBElifelines an den Flüssen Donau, Pielach, Traisen und Große Tulln geforscht (https://danubelifelines.eu). „Flüsse sind die Lebensadern unserer Landschaft. Von ihrem Funktionieren hängen nicht nur Biodiversität, sondern auch zentrale gesellschaftliche Leistungen wie Wasserversorgung und Hochwasserschutz ab. Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass die Wiederherstellung europäischer Flüsse nur durch einen integrativen, praxisnahen und international abgestimmten Ansatz gelingen kann, der alle relevanten Akteure einbezieht“, so Florian Borgwardt.

„Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, den ökologischen Zustand unserer Fließgewässer zu verbessern und ihre Durchgängigkeit wiederherzustellen. Gleichzeitig bestätigen sie unseren Ansatz, diese Herausforderungen interdisziplinär und partizipativ anzugehen – wie etwa im CD-Labor MERI (https://cdl-meri.boku.ac.at/wordpress/) und in der BOKU Doctoral School Human River Systems (https://boku.ac.at/news/newsitem/50509)“, resümiert Thomas Hein.

Link: Read the article (Open Access) in Nature Communications Earth & Environment >

Wissenschaftlicher Kontakt

Univ.Prof. Mag. Dr. Thomas Hein
Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement
BOKU University
Email: thomas.hein(at)boku.ac.at
Telefon: +43 699 12340200