22.04.2026 - Frontiers Planet Prize: BOKU-Forschungsteam als „National Champion“ für Österreich ausgezeichnet
Das internationale Forschungsteam: Obere Reihe v.l.n.r.: Lisa Kaufmann, Helmut Haberl, Christian Dorninger, Benjamin Fleischmann, Nicolas Roux, Karlheinz Erb (alle BOKU) Untere Reihe v.l.n.r.: Benedetta Cotta (University of Padova), Jens Newig(Universität Lüneburg), Johanna Coenen (Stockholm University) und Andreas Mayer (Universität Innsbruck)
Große internationale Anerkennung für die BOKU University: Am 22. April, dem Earth Day, wurde das Forschungsteam um Nicolas Roux vom Institut für Soziale Ökologie mit dem renommierten Frontiers Planet Prize als „National Champion“ für Österreich ausgezeichnet.
Prämiert wurde der im Fachjournal One Earth veröffentlichte Artikel „Integrating sufficiency in the trade and biodiversity agenda of the European Union“. Die prämiierte Studie zeigt, wie sogenannte suffizienzorientierte Maßnahmen – also Ansätze, die auf einen maßvollen und ressourcenschonenden Umgang mit Naturgütern abzielen – in der Handels- und Biodiversitätspolitik der Europäischen Union verankert werden können. Ziel ist es, den Verbrauch von Biomasse deutlich zu verringern und dadurch die Stabilität und Funktionsfähigkeit natürlicher Ökosysteme langfristig zu stärken.
Biomassenutzung als zentraler Treiber der Biodiversitätskrise
Die Studie hebt hervor, dass die intensive Nutzung von Biomasse – etwa für Nahrungsmittel, Futtermittel, Materialien und Bioenergie – eine wesentliche, bislang oft unterschätzte Ursache für den Verlust der biologischen Vielfalt darstellt. In der Europäischen Union liegt der Verbrauch deutlich über einem Niveau, das mit den planetaren Grenzen vereinbar ist.
„Effizienzsteigerungen sind wichtig, werden allein dennoch nicht ausreichen, um die ökologischen Herausforderungen zu bewältigen. Es braucht zusätzlich klare Strategien zur Reduktion des absoluten Ressourcenverbrauchs, besonders bei Produkten, die viel Land in Anspruch nehmen wie Tierprodukte, Futtermittel oder Bioenergie“, so Erstautor Nicolas Roux von der BOKU.
Handelsliberalisierung verstärkt globalen Ressourcenverbrauch
Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die internationale Handelspolitik. Sie zeigt, dass eine stärkere Liberalisierung des Handels nicht nur dazu führt, dass Produktion in andere Länder verlagert wird. Vielmehr steigt dadurch insgesamt auch das Niveau von Produktion und Konsum. Dies erhöht den Druck auf natürliche Ökosysteme sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch in anderen Regionen der Welt. Bestehende und geplante Handelsabkommen können diese Entwicklung zusätzlich verstärken, indem sie den Handel mit besonders ressourcenintensiven Produkten erleichtern.
„Handelspolitik sollte nicht die alleinige Maßnahme sein, um den Verbrauch von besonders biomasseintensiven Produkten einzuschränken, dennoch kann sie zusätzlich zur Inlandspolitik einen Beitrag leisten“ so Roux.
Suffizienz als Schlüssel für nachhaltige Politikgestaltung
Die Autorinnen und Autoren schlagen vor, das Konzept der Suffizienz systematisch in politische Strategien zu integrieren. Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen unter anderem:
- die Festlegung absoluter Grenzen für Biomassenutzung,
- die Reduktion ressourcenintensiver Konsummuster, insbesondere im Bereich tierischer Produkte,
- die Anpassung von Handelsabkommen, um wachstumsbedingte Umwelteffekte zu begrenzen,
- die stärkere Berücksichtigung von Skaleneffekten in Nachhaltigkeitsbewertungen sowie
- gerechte Kompensationen und Übergangsmaßnahmen für betroffene Produzent*innen weltweit.
Die Studie zeigt außerdem, dass sich solche Maßnahmen im Einklang mit internationalen Handelsregeln umsetzen lassen.Der Sozialökologe betont dazu, dass Handelspolitik nicht zwangsläufig protektionistisch ausgerichtet sein muss, um positive Wirkungen für Umwelt und Klima zu entfalten. Gerade in einer Zeit, in der Zölle und Handelsinstrumente zunehmend für nationalistische oder protektionistische Ziele eingesetzt werden, könne die Forschung einen alternativen Ansatz aufzeigen: Handelspolitik gezielt so zu gestalten, dass sie zu einer gerechten und wissenschaftlich fundierten Entwicklung innerhalb ökologischer Belastungsgrenzen beiträgt.
„Voraussetzung dafür sind klare und transparente Ziele, wissenschaftlich begründete Grenzwerte sowie faire Ausgleichsmechanismen und eine enge Zusammenarbeit entlang globaler Lieferketten. Auf dieser Basis läßt sich der Handel mit besonders umweltschädlichen Biomasseprodukten reduzieren, ohne dabei Lebensgrundlagen zu gefährden. Gleichzeitig kann der Austausch von Gütern gefördert werden, die sowohl der menschlichen Gesundheit als auch dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen zugutekommen“, so Roux.
Neben Nicolas Roux waren an der Studie Benjamin Fleischmann, Christian Dorninger, Karl-Heinz Erb, Helmut Haberl, Lisa Kaufmann (alle BOKU) sowie Johanna Coenen (Stockholm University), Benedetta Cotta (University of Padova), Jens Newig (Universität Lüneburg) und Andreas Mayer (Universität Innsbruck) beteiligt.
Integrating sufficiency in the trade and biodiversity agenda of the European Union.
One Earth 8, 101347.https://doi.org/10.1016/j.oneear.2025.101347
Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Nicolas Roux, MSc.
Institut für Soziale Ökologie
BOKU University
Email: nicolas.roux(at)boku.ac.at
Telefon: +43 1 47654 73735
Weitere Fotos, Zusammenfassungen und Pressematerial: https://bokubox.boku.ac.at/#8eec3b38d6ee4ea95af3d3a9c2ff6e0f