Unter dem Motto „No Waste: Wie Bioengineering Kreisläufe schließt“ lud die BOKU University am 20. Mai zur fünften BOKU Future Conference an den Campus Türkenschanze in Wien – und machte Mut, manches anders zu denken als bisher.

Rohstoffe werden knapper, die Rufe nach nachhaltigen Ansätzen immer lauter. Seit den 1970er-Jahren hat sich der weltweite Ressourcenverbrauch mehr als verdreifacht. Gleichzeitig gehen enorme Mengen wertvoller Materialien verloren, weil sie entsorgt statt wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Der Bedarf an Lösungen, die Ressourcen effizient nutzen und Materialverluste konsequent vermeiden, ist daher groß. 

Wie weit das tatsächlich gelingen kann, das diskutierten namhafte Keynote-Speaker*innen gemeinsam mit führenden BOKU-Forscher*innen, Expert*innen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kultur sowie Studierenden bei der hochkarätig besetzten Konferenz. Sie präsentieren wegweisende Ideen und konkrete Lösungen für eine nachhaltige Zukunft – von zirkulären Rohstoffen über Mikroorganismen als Zellfabriken bis hin zu innovativen Technologien für klimafreundliche Chemie.

Rektorin Eva Schulev-Steindl zeigte sich erfreut über das große Interesse an der Zukunftskonferenz: „Wir stehen an einem Punkt, an dem Wissenschaft die Welt nicht mehr nur erforscht und beschreibt, sondern aktiv ihre Zukunft mitgestaltet.“ Josef Plank, Vorsitzender des Universitätsrats, betonte: „Die BOKU steht für konkrete Lösungen, die funktionieren, Zuversicht geben und gesellschaftlich wie politisch umsetzbar sind.“ Lucia Logar vom ÖH-BOKU-Vorsitz sagte mit Blick auf die aktuelle Hochschulfinanzierungsdebatte: „Unsere Universitäten arbeiten täglich für Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Energieautonomie. Kann man ernsthaft von ,No Wast‘ sprechen und gleichzeitig Talente, Ideen und Bildung auf Sparflamme setzen?“

In ihrer Begrüßung betonte Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung: „Die BOKU Future Conference steht sinnbildlich für das, was unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren dringend braucht: wissenschaftlich fundierte Antworten auf große ökologische und soziale Herausforderungen. Die BOKU zeigt seit vielen Jahren, Verantwortung für die Gesellschaft und Forschung müssen Hand in Hand gehen. Bleiben wir im Dialog!“

Durch das Programm führte auch in diesem Jahr die ORF-Journalistin und Moderatorin Barbara Stöckl.

Roland Ludwig, Director of Research des Cluster of Excellence Circular Bioengineering (BOKU), erklärte zum Auftakt: „Circular Bioengineering verbindet Kreislaufwirtschaft mit Bioengineering – mit dem Ziel, Ressourcen möglichst lange im Kreislauf zu halten und biologische Systeme gezielt für nachhaltige Lösungen zu nutzen.“ Begleitet wurde sein Vortrag vom Chemiker und Designer Johannes Richers, der die Inhalte live grafisch visualisierte.

Warum „wütender Optimismus“ Zukunft möglich macht

Zukunftsforscher Tristan Horx sprach in seiner Keynote über den aktuellen Epochenwandel: „Veränderung hat noch nie Spaß gemacht – aber sie hat sich immer gelohnt.“ Als „wütender Optimist“ plädierte er dafür, gesellschaftliche Energie, die diese regressiven Kräfte haben, in Forschung, Innovation und positive Zukunftsbilder zu lenken.

Im anschließenden Podiumsgespräch herrschte auf die Frage der Moderatorin „Entweder nachhaltig oder wirtschaftlich – hat man sich schon entschieden?“ Einigkeit: Technologische Innovation, Kreativität und Mut zum Wandel sind entscheidend für die Zukunft. Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg wurden dabei nicht als Widerspruch, sondern als gemeinsame Zukunftschance verstanden. „Man muss Dinge auch wagen und nicht immer mit perfekten Lösungen rausgehen“, so Roland Ludwig.

Wenn eine Million Jahre in einem Jahr verbrannt werden

In der zweiten Keynote spannte Ron Milo (Weizmann Institute of Science) den Bogen von der wachsenden „anthropogenen Masse“, die mittlerweile die gesamte Biomasse der Erde übersteigt, bis hin zu biotechnologischen Zukunftsansätzen, bei denen Mikroorganismen mit CO₂ und erneuerbarer Energie nachhaltige Lebensmittel und Rohstoffe erzeugen könnten. 

Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass der Wandel zu nachhaltigen Systemen nicht durch bloßes Ersetzen bestehender Strukturen gelingen kann. Vielmehr brauche es langfristige Forschung und ein grundlegendes Umdenken in Wirtschaft und Gesellschaft. „Die größte Falle ist, einfach ein System durch ein anderes zu ersetzen“, betonte Karlheinz Erb vom Institut für Soziale Ökologie (BOKU), „und auf einem rein profitorientierten Modell zu verharren, statt ein gutes und gerechtes Leben für alle zu ermöglichen.“ Marion Huber-Humer vom Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft (BOKU) brachte den Grundgedanken der Kreislaufwirtschaft auf den Punkt: „Der beste Abfall ist der, der gar nicht anfällt. Und der beste Rohstoff ist jener, der nicht gebraucht wird.“ 

„Waste is a myth“

In einem kurzen Gastauftritt kündigte Künstlerin Kristina Pulejkova die abendliche Vernissage der multisensorischen Ausstellung „Waste is a Myth“ an. Die Installation verbindet wissenschaftliche Forschung mit spekulativer Erzählkunst und macht biotechnologische Ansätze rund um Mikroben, Fermentation und geschlossene Kreislaufsysteme sinnlich erfahrbar. „Alles, was wir in diesem Kunstwerk zeigen, ist mit heutiger Technologie grundsätzlich realisierbar“, betonte Pulejkova mit Blick auf mögliche Anwendungen mikrobieller Systeme – von der Raumfahrt bis hin zu nachhaltigen Lösungen auf der Erde.
Die Presseaussendung zur Vernissage finden Sie hier.

Vom Sternenstaub zur Kreislaufwirtschaft

Das „Raumschiff Erde“ stand im Zentrum der „galaktischen Lektion“ von Astronomin Ruth Grützbauch. Mit viel Charme und Humor spannte die Wissenschaftskommunikatorin den Bogen von wiederverwendbaren Raketen bis zu geschlossenen Kreisläufen im All – z. B. wie im Weltraum aus Körperflüssigkeiten wieder frischer Espresso wird - und zeigte, was sich daraus für nachhaltiges Wirtschaften auf der Erde lernen lässt. „Die Ergebnisse der Wissenschaft müssen in die Gesellschaft zurückgefüttert werden – ohne das gibt es keinen Fortschritt und keine offene Gesellschaft“, so Grützbauch, die auch die Bedeutung von Wissensvermittlung als „wichtigste Kreislaufwirtschaft“ hervorhob.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde die Erde als sensibles Gesamtsystem betrachtet, in dem nachhaltiges Handeln, technologische Innovation und gesellschaftliches Lernen eng miteinander verknüpft sind. Die Gesprächspartner*innen betonten, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur eine technische, sondern auch eine kulturelle und kommunikative Aufgabe sei. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich vermittelt und neue Zukunftsbilder geschaffen werden können. „Wissenschaft bedeutet, in Bereiche vorzudenken, die noch niemand zuvor betreten hat – und genau diese Neugier sollte begeistern und Lust auf Zukunft machen“, schloss Barbara Stöckl die Veranstaltung.

Die BOKU Future Conference kann ab sofort nachgesehen werden:
https://boku.ac.at/oeffentlichkeitsarbeit/boku-future-conference

Einen ausführlichen Rückblick auf die BOKU Future Conference 2026 „No Waste: Wie Bioengineering Kreisläufe schließt“ können Sie ab Mitte Juni im BOKU-Magazin auf www.boku.ac.at nachlesen.

Die folgenden Folgen des BOKU-Podcasts Planet Shapers vertiefen die Themen der BOKU Future Conference 2026:
#15 - Raumschiff Erde: Kreislauf statt Kollaps
#16 - Rohstoffe der Zukunft: Was kommt nach dem Erdöl?
Auf Spotify, Apple Podcasts, Amazon & Youtube sowie https://boku.ac.at/oeffentlichkeitsarbeit/planet-shapers 

Foto: © BOKU Medienstelle/Christoph Gruber