22.05.2026 - Mehr Vielfalt im Wald – Fortschritte und Herausforderungen der Waldbiodiversität in Österreich
Der aktuelle gemeinsame Bericht des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) und der BOKU University zeichnet ein ermutigendes Bild, denn Österreichs Wälder entwickeln sich zunehmend zu klimaresilienteren, strukturreicheren und artenvielfältigeren Mischwäldern. Gleichzeitig macht die Analyse deutlich, dass beim Umgang mit invasiven Arten und beim Schutz gefährdeter Arten weiterhin entschlossener Handlungsbedarf besteht.
„Der Bericht zeigt klar: Aktive Waldbewirtschaftung, nachhaltige Holznutzung, gezielte Forschung an klimafitten Baumarten und ein starkes Netzwerk an Naturwaldreservaten wirken. Sie stabilisieren unsere Wälder und fördern messbar die Biodiversität“, betonen die beiden Hauptautorinnen Stefanie Linser und Katharina Lapin (BFW).
Managementstrategien zeigen Wirkung
Die Analyse zeigt, dass waldbauliche Maßnahmen und langfristige Managementstrategien die biologische Vielfalt der heimischen Wälder stärken. Ein höherer Mischungsgrad der Baumarten, eine vielfältigere Verjüngung und steigende Totholzvorräte belegen diesen positiven Trend.
Gleichzeitig bestehen Herausforderungen fort, beispielsweise der Umgang mit invasiven Arten wie der Robinie sowie mit gefährdeten Arten wie Mehlbeeren und Speierling. Dies macht deutlich, dass eine kontinuierliche Weiterentwicklung forstlicher Praktiken unerlässlich ist.
Klimaresilienz durch Strukturwandel
Seit den 1990er-Jahren nimmt der Anteil nadelholzdominierter Bestände ab, während Laub- und Mischwälder zunehmen. Das ist ein Trend, der die Stabilität und Klimaanpassungsfähigkeit der Wälder stärkt. Stefanie Linser vom Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik an der BOKU erklärt, dass auch die Verjüngung des Waldes vielfältiger wird: „Die Flächen mit Naturverjüngung nehmen zu, artenreiche, klimawandelresiliente Baumartenmischungen gewinnen an Bedeutung, Reinbestände gehen zurück.“
Totholz und Schutzgebiete als wichtige Lebensräume
Ein wesentlicher Indikator für die Qualität von Waldökosystemen ist das Vorhandensein von Totholz. Hier verzeichnet Österreich einen bemerkenswerten Zuwachs, denn der Vorrat an Totholz hat sich seit den 1990er-Jahren mehr als verdoppelt. Totholz schafft wichtige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Außerdem sind rund ein Fünftel der Waldfläche als Schutzgebiete ausgewiesen. Erstmals liegen österreichweite Daten dazu vor, wie häufig sogenannte Habitatbäumen vorkommen – also Bäume mit besonderen Strukturen als Lebensraum. Knapp jeder fünfte lebende Baum mit mehr als 10 cm Stammdurchmesser weist mindestens ein Mikrohabitat, etwa eine Höhle oder Rindentaschen auf. In Trittsteinbiotopen sind es mehr als drei von zehn Bäumen.
Anhaltender Druck auf Arten und Lebensräume
„Trotz der Erfolge identifiziert der Bericht deutliche Warnsignale. Ein kritischer Faktor ist die Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten, die heimische Arten verdrängen und Waldstrukturen verändern können“, erklärt Katharina Lapin, Leiterin des Instituts für Waldbiodiversität und Naturschutz des BFW. Parallel dazu nimmt der Druck auf gefährdete Arten zu: Die Zahl der gefährdeten Gefäßpflanzen im Wald stieg von 200 im Jahr 1986 auf 286 im Jahr 2022. Dies signalisiert einen anhaltend hohen Handlungsbedarf – auch in Schutzgebieten, etwa im Rahmen von Natura 2000.
Handlungsauftrag für die Zukunft
„Österreich hat bei der strukturellen und funktionalen Vielfalt Fortschritte erzielt, die sich etwa in der Menge des Totholzes, der Mischungsvielfalt und den genetischen Ressourcen zeigt. Doch Klimawandel, invasive Arten und der Zustand sensibler Lebensräume erfordern verstärkte Anstrengungen“, betonen die beiden Hauptautorinnen. Gefordert sind eine konsequent biodiversitätsorientierte Bewirtschaftung, gezielte Schutzmaßnahmen sowie ein weiter ausgebautes Monitoring, um die ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Funktionen des Waldes langfristig zu sichern. Zudem gilt es, die Fragmentierung der Waldlandschaft aktiv gegenzusteuern (z. B. durch Trittsteinbiotope), da die Vernetzung der Waldflächen zuletzt einen leicht rückläufigen Trend aufwies.
Weitere Informationen
Waldbiodiversitätsbericht als Download: https://shop.bfw.ac.at/startseite/bfw-bericht-155.html
Mehr zum WaldBIOLOG-Projekt: www.bfw.gv.at/waldbiolog-indikatoren-fuer-die-messung-der-waldbiodiversitaet-im-klimawandel
Über den Bericht: Der Waldbiodiversitätsbericht wurde von Expert*innen der BOKU University und des BFW der im Rahmen des Projekts „WaldBIOLOG“ erstellt und vom Waldfonds der Republik Österreich unterstützt. - WF M10 BMLRT/III-2021-M10/6 (FAI.8)
Rückfragehinweis:
Dr. Stefanie Linser
BOKU University
Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik
Zentrum für Bioökonomie
Email: stefanie.linser(at)boku.ac.at