Multisensorische Kunstausstellung im Rahmen der BOKU Future Conference 2026

Abfall existiert nicht – zumindest nicht im Denken zirkulärer Systeme. Mit der Ausstellung „Waste is a Myth“ lädt die BOKU University dazu ein, wissenschaftliche Erkenntnisse neu zu erleben: an der Schnittstelle von Kunst, Forschung und Zukunftsvisionen. „Besucher*innen erwartet ein Ausstellungsraum, der mit multisensorischen Arbeiten gestaltet ist und visuelle, auditive, olfaktorische, geschmackliche sowie haptische Ebenen miteinander verschränkt“, erklärt Produzentin Sonja Schachinger.

Österreich-Premiere: Bioengineering als künstlerische Vision

Im Zentrum der Ausstellung steht die Arbeit „A Metabolic Guide to Space Survival“ der in London lebenden Künstlerin Kristina Pulejkova. Nach der Weltpremiere 2025 in Venedig ist das multidisziplinäre Werk nun erstmals in Wien zu sehen.

Die Installation verbindet wissenschaftliche Forschung mit spekulativer Erzählkunst und begleitet die fiktive Bioingenieurin Mira Kordan an Bord eines Raumschiffs. Holografische Projektionen, biotechnologische Objekte und Szenarien mikrobieller Ernährungssysteme machen aktuelle Forschung zu Hefen, Pilzen und Fermentation unmittelbar erfahrbar.

„Alles, was wir in diesem Kunstwerk vorschlagen, ist plausibel und lässt sich mit heute verfügbarer Technologie realisieren“, so Kristina Pulejkova. „Es gibt bereits Experimente, die sich mit der Züchtung von Mikroben im Weltraum befassen. Das Potenzial, diese Prozesse näher an unserem Zuhause – hier auf der Erde – anzuwenden, finde ich spannend.“

Im Fokus stehen geschlossene Kreislaufsysteme unter extremen Bedingungen – etwa in Lebensräumen im All. Forschung zu mikrobiellen Stoffkreisläufen, CO₂-Recycling und biotechnologischer Lebensmittelproduktion wird dabei in einen künstlerischen Kontext übersetzt. Das Werk entstand in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen der BOKU University, der TU Wien, der Universität Wien, dem acib sowie dem Cluster of Excellence Circular Bioengineering.

Wissenschaft zum Schmecken: „Taste the Space“

BOKU-Wissenschaftler Diethard Mattanovich entwickelte gemeinsam mit dem Künstler und Koch Michael Kalivoda unter dem Titel „Taste the Space“ ein dreigängiges Menü auf Basis mikrobieller Prozesse. Damit werden potenzielle Ernährungssysteme für den Weltraum erstmals auch geschmacklich erfahrbar.

„Die Zukunft gehört dem zirkulären Denken: weg von linearem Wirtschaften, hin zu Kreisläufen, in denen Abfälle zu Rohstoffen werden“, so Mattanovich. „Die Zusammenarbeit mit Kristina Pulejkova greift dieses Prinzip auf faszinierende Weise am Beispiel der Raumfahrt auf, wo Ressourcen konsequent im Kreislauf geführt werden müssen. Kooperationen wie diese erweitern den Horizont unserer Forschung.“

Drei Künstlerisch-wissenschaftliche Kooperationen eröffnen neue Perspektiven

Neben Pulejkovas Arbeit präsentiert „Waste is a Myth“ weitere Projekte, die im Rahmen eines Open Calls der BOKU University in Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste Wien entstanden sind. In drei künstlerisch-wissenschaftlichen Tandems wird Forschung und Kunst zu innovativen Raum-, Video- und Duftinstallationen verbunden.

Fragile Infrastructures: Bodies, Materials, Landscapes: Die Videoinstallation der Künstlerin Hannah Antema gemeinsam mit Stephan Hann (Institut für Analytische Chemie, BOKU) und Karlheinz Erb (Institut für Soziale Ökologie, BOKU) untersucht den Wiener Althangrund als metabolisches Netzwerk aus Materie-, Energie- und Informationsflüssen und eröffnet neue Perspektiven auf urbane Infrastrukturen.

Untitled: Das olfaktorische Werk vom Künstler Matthias Amsler in Zusammenarbeit mit Wolfgang Kroutil (Institut für Chemie, Universität Graz) übersetzt chemische Prozesse in räumliche und sensorische Erfahrungen. Duftstoffe wie S- und R-Limonen machen molekulare Symmetrien unmittelbar wahrnehmbar.

Synthrophy: Die immersive Rauminstallation der Künstler Sanne Scheepmaker und Leith Mahfoudhi gemeinsam mit Özge Ata und Simone Bachleitner (beide Institut für Mikrobiologie und Mikrobielle Biotechnologie, BOKU) lädt Besucher*innen dazu ein, in die Innenwelt einer Hefezelle einzutauchen. Licht, Klang und Bewegung transformieren mikroskopische biochemische Prozesse in eine audiovisuelle Erlebnislandschaft.

Ausstellung: „Waste is a Myth“
21. Mai – 31. Mai 2026

Täglich 15:00 – 19:00 Uhr
Kunst- und Kulturzentrum Semmelweisklinik
1180 Wien, Hockegasse 37

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier