Das Forschungsprojekt HEDWIG ist nun erfolgreich abgeschlossen! Im Zuge dieses wurden Vegetationsparameter und Leistungskennwerte ermittelt, die weiterführend als Grundlage für thermische Gebäudesimulationen und zur Optimierung von Planungsprozessen dienen.

Im Projekt HEDWIG wurde an 16 Standorten in Wien und Niederösterreich zur Wirkungsabschätzung von normgerechter Bauwerksbegrünungen geforscht, wobei die Untersuchungen auf einem multidimensionalen Ansatz, welcher mikroklimatische, bauphysikalische sowie pflanzenphysiologische Parameter verknüpft, basierte. Ziel war es belastbare Kennwerte für grüne Infrastruktur zu gewinnen, die angesichts der zunehmenden Überhitzung urbaner Räume (Urban Heat Island Effekt) als Strategie zur Klimawandelanpassung zwar massiv an Bedeutung gewinnt, jedoch aufgrund einer fehlenden quantitativen Wirkungsabschätzung in der Planungspraxis oft nicht genug Einsatz findet. 

Um permanente Messungen zu ermöglichen wurden die HEWIG-Dauermessobjekte im Innen- sowie Außenraum über die gesamte Projektlaufzeit hinweg mit stationärer Sensortechnik ausgestattet. 

Wetterstation an der Fassadenbegrünung von oben fotografiert. Das Solarpanel ist nahe an der Begrünung befestigt, das Pyranometer mit einer Metallkonstruktion und Spanndrahtseilen in 1,5m Entfernung daran.

Stationäre Wetterstation [MS WRS305] und Pyranometer [EKO ML-02-5P] inkl. Solarpanel – in 1,5m vom untersuchten Pflanzkörper entfernt.

Ergänzend wurden 2023 und 2024 Messkampagnen durchgeführt, bei denen mithilfe manueller Messtechnik die Pflanzenentwicklung dokumentiert sowie relevante Pflanzenparameter, wie der projektive Deckungsgrad oder der WLAI bzw. LAI, erhoben wurden. Zusätzlich wurde Sensorik zur Ermittlung der kurzwelligen Strahlungsbilanz eingesetzt. Weiters wurde der, im Zuge des Projekts GLASGrün entwickelte, Grünverschattungsfaktor (Fbs) ebenfalls angewandt, welcher als Bemessungsgrundlage für die Beschattungsleistung von vertikalem Grün dient.

Ein ca. 0,5m x 0,5m großer schwarzer Rahmen wird vor die Begrünung mit zwei Händen gehalten.

Messkampagne mit Messrahmen an der biodiversen modularen Fassadenbegrünung (Wannensystem) beim Messobjekt MA48 Gürtel in Wien.

Eine begrünte Wand mit einem Wissenschaftler bei der Messung.

Voller Einsatz bei der Messkampagne 2024 beim Messobjekt Privathaus Ternitz, Niederösterreich.

Durch den Projektdrittdienstleister IBO wurden thermische Simulationen in ICA ICE durchgeführt, welche eine energetische Bewertung und Quantifizierung der Kühlleistung durch die Bauwerksbegrünungen ermöglichten.

Bei den Dauermessobjekten mit Fassadenbegrünung unterschiedlicher Begrünungssystemen wurden solare Strahlungsreduktionen von bis zu 97% ermittelt – wobei die damit einhergehenden Minderungen der Transmission in einer Verbesserung des thermischen Komforts resultierten. Dies wurde durch 2 komplementäre Ansätze – dem adaptives Komfortmodell nach ÖNORM EN 16798-1 sowie dem Behaglichkeitsmodell nach Freymark und Leusden – vom Projektdrittdienstleister IBO näher beforscht.

Aufnahme von seitlich oben. Rechts die Fassadenbegrünung. Links: Blick in die Straße mit einem rot asphaltierten Fußgängerbereich vor dem Haus, dahinter fahrende Autos.

Troggebundene Fassadenbegrünung beim Messobjekt Amtshaus Margareten in Wien, bestehend aus Wisteria sinensis und Parthenocissus tricuspidata

Neben dem HEDWIG-Endbericht wurde auch eine Literaturstudie zur Erhebung des internationalen Stands des Wissens erarbeitet. Weiters sind die Messergebnisse aus dem Dauermonitoring sowie relevante Parameter zur Wirkungsabschätzung an den 16 Messerobjekten in einem gesonderten Datenkatalog abgebildet. Der durchgeführte Workshop, der zur Einbindung der Stakeholder*innen gedient hat wurde durch den Projektdrittdienstleister GRÜNSTATTGRAU fachlich aufbereitet und liegt innerhalb der gleichen Schriftenreihe als eigenständige Publikation vor. 

Weiters sind die erhobenen Messdaten als drei Publikationen in ZENDODO als Open-Source verfügbar.

 

Im Zuge des Projekts HEDWIG wurden zentrale, bisher nicht verfügbare Messdaten zur Performanz von Gebäudebegrünungen im Innen- sowie im Außenraum generiert, welche eine wegweisende Grundlage für Argumentarien bzw. Prüfprozesse sowie eine Orientierung in der Planungspraxis darstellen.

Über das Projekt HEDWIG

Ergänzende Projektinformationen

  • Projektnummer: 893535
  • Forschungsprogramm: FFG, ENERGIE DER ZUKUNFT, Stadt der Zukunft, SdZ 9. Ausschreibung 2021
  • Projektdauer: Oktober 2022 bis Dezember 2025 (kostenneutral verlängert)
  • Projektkoordination: Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau (IBLB), BOKU University
  • Projektpartner*innen: Institut für Bauen und Ökologie GmbH (IBO), Grünstattgrau (GsG), RED Bernard GmbH

HEDWIG Berichte und ergänzende Veröffentlichungen:

 

Bei Fragen zum Forschungsprojekt HEDWIG wenden Sie sich bitte an nicole.jalits@boku.ac.at!