Team BOKU - Routine im Ausnahmezustand

Ich beginne heute mit dem ersten Eintrag in einem Tagebuch, das Ihnen noch mehr Hintergrundinfos zum eingeschränkten Universitätsbetrieb geben wird.

Gesundheit ist unser wichtigstes Gut. Daher haben wir alle Maßnahmenergriffen, um durch e-Learning und Homeoffice einer weiteren Verbreitung von Corona-Infektionen entgegenzuwirken. Aber auch unsere Studierenden gehören zu „unserem wichtigsten Gut“: Sie haben ihre Ausbildung und damit ihre Zukunft in unsere Hände gelegt. Sie sind von der Einhaltung ihrer Prüfungstermine abhängig, da viele von ihnen finanziell mit Kinderbeihilfe, Stipendien und Nebenjobs ihr Auskommen finden müssen. Daher bemühen wir uns besonders, dass die Lehrveranstaltungs- und Prüfungstermine abgehalten werden können. Die BOKU ist nicht geschlossen! Die BOKU arbeitet in Homeworking und Telekommunikation. Es kann noch ein paar Tage dauern, bis sich alles eingespielt hat. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass es klappen wird!

In diesem Tagebuch kommen Tag für Tag jene zu Wort, die sich derzeit intensiv darum kümmern, dass der Uni-Alltag nicht zum Stillstand kommt. Von meiner Homeoffice aus danke ich allen für Ihre Mitarbeit, für Ihr Verständnis und wünsche Ihnen Gesundheit und alles Gute.

Hubert Hasenauer
Rektor

Mit der Rasselbande beim gemeinsamen Homeworking © Christoph Pfeifer

Montag, 30. März 2020

Zwei Wochen Heimarbeit, die sich locker anfühlen wie vier. Aber damit bin ich wohl nicht alleine.

Die Lehre auf Distance Learning umstellen, zu Hause die Rahmenbedingungen schaffen, dass zwei Erwachsene heimarbeiten können und drei Kinder ihre Aufgaben und Bedürfnisse erfüllt bekommen, organisatorische Änderungen am Institut orchestrieren (Formulare zur Heimarbeit, Prüfungen, Lehre, Laborsicherheit), Webcam & Mikro und Grafiktablet bestellen und so fort: Das alles von 0 auf 100 aus dem Ärmel zu schütteln ist nicht trivial! Darüber hinaus haben gefühlt alle Kinderlosen oder Eltern mit großen Kindern Zeit für digitale Meetings und für das Verfassen von E-Mails.

Umgekehrt verlangt es die Situation, den großen Bewegungsradius der Kids auf einen sehr kleinen zu reduzieren, auch wenn es Jammern auf hohem Niveau ist, wenn man in einem Haus mit Garten lebt. Eine 11-jährige Sportklässlerin (sieben Stunden Schulsport pro Woche plus Jiu-Jitsu-Training), ein 9-jähriger Fussballer (3 bis 4 Mal pro Woche Training im Verein und mehrere Nachmittage Sport und Spaß mit Freunden) und ein 2 ½-jähriges Springinkerl (der nach einer Stunde im Haus mit den Worten „Laufrad fahren“ die Schuhe bringt) sind plötzlich auf kleiner Fläche zu bändigen. Gott-Sei-Dank hat der Osterhase das Trampolin für den Garten drei Wochen zu früh geliefert ;-).

Distance Learning, Flipped Classroom, etc. hätte ich wohl schon länger einmal für meinen Unterricht auf der Uni in Erwägung ziehen sollen, aber nie die Zeit dafür gefunden. Die ist jetzt auch nicht da. Aber die Studierenden gehen vor, alles andere muss liegen bleiben oder wird zwischen 5 und 7 Uhr früh oder dann am Abend erledigt.

Die Kurve, Zeitaufwand für die Produktion von Lehrvideos im Verhältnis zur bereitgestellten Videozeit gleicht dem um die Ordinate gespiegelten Anstieg der CoVid-19-Infizierten über die Zeit. Für das erste 15-Minuten-Video haben Anita Grausam und ich gemeinsam fast 12 Stunden benötigt und sind erst spät am Abend damit fertig geworden. Nach einer Woche Training und toller Unterstützung durch Alexandra Strauss-Sieberth und Andreas Zitek vom „E-Learning und Didaktik“ sind wir auf 2 bis 3 Stunden Zeitaufwand pro 15 Minuten bereitgestelltem Video „abgestürzt“. Ohne das großartige Team am Institut und die tollen Serviceeinrichtungen der BOKU wäre vieles derzeit nicht möglich!

Ich würde mir wünschen, dass uns einige der positiven Errungenschaften der aktuellen Krise (z. B. Zoom-Meetings statt Flugreisen, Flipped Classroom, mehr Zeit für die interaktive Arbeit mit den Studierenden im Hörsaal, …) erhalten bleiben - und wir bald wieder den normalen Unibetrieb aufnehmen können.

Ich hoffe, mein hervorragendes Team und die vielen, netten KollegInnen an der BOKU bald wieder gesund und munter anzutreffen.

Christoph Pfeifer
Institut für Verfahrens- und Energietechnik

Zwei Laptops, zwei Handys und ein Drucker: im voll ausgestatteten Homeoffice (c) Gerhard Mannsberger

Freitag, 27. März 2020

Zunächst einmal großen Dank an alle, die den Betrieb aufrechterhalten und dafür sorgen, dass trotz der schwierigen Situation (fast) alles so läuft, als würde es kein Covid-19 geben.

Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter*innen sind uns ein großes Anliegen. Wir haben daher vom 1. Tag an strenge Maßstäbe für die Beurteilung der Gesamtsituation, aber auch bei Einzelfällen angelegt. So haben wir z.B. die 24-Stunden-Regel (Ansteckungsgefahr nur innerhalb von 24 Stunden ab dem Ausbruch der Krankheit, wurde mittlerweile seitens der Regierung auf 48 Stunden angehoben) auf 72 Stunden erhöht sowie Kontaktpersonen von Kontaktpersonen in Heimquarantäne geschickt. Außerdem haben wir den Sicherheitsabstand bei den rund 230 Mitarbeiter*innen, die auch derzeit an der BOKU anwesend sind, von einem auf 2 Meter erhöht!

Bisher gab es an der BOKU zwei Corona-Fälle: eine Mitarbeiterin, die aus einem Risikogebiet kommend direkt nach Hause geschickt wurde und mit niemandem Kontakt hatte sowie eine Studentin. Alle Kontaktpersonen wurden in Heimquarantäne geschickt und bisher gab es keine weitere Ansteckung. Bei einem Verdachtsfall steht das Laborergebnis noch aus.

Meine persönliche „Einsatzzentrale“ liegt seit 17. März in Gaming und mein Tagesablauf gestaltet sich seither folgendermaßen:

  • 6:00 Uhr: Nachrichten hören – wie ist die aktuelle Situation? Gibt es neue Vorgaben der Bundesregierung?
  • ab 6:30 Uhr: Mails checken (bis zu 100) und Fragen möglichst gleich beantworten (bis zu 40), Infos einholen (für schwierige Fragen), Abstimmung mit Kolleg*innen von anderen Unis, mit dem Krisenstab bzw. einzelnen Mitgliedern, Telefonate (ca. 30) und Videokonferenzen (3-4)
  • dazwischen: Füße vertreten, mit dem Hund gehen, einkaufen, im Garten herumgraben, in den Hochbeeten herumwühlen, den zehnten Anlauf fürs Aufräumen der Garage starten. Wenn weniger los ist, koche ich auch einmal („der Papa versaut schon wieder die Küche!“)
  • nach dem Mittagessen geht der vormittägliche Wahnsinn nahtlos weiter, und auch meine „normale“ Arbeit muss ja so nebenbei auch weitergehen, bis ca. 18:00 Uhr
  • dazwischen meinem Sohn Theo (14) bei Mathe helfen, Klavierspielen (wenn am Bildschirm schon alles verschwimmt)
  • Nach der ZiB 1 bis Mitternacht: weiterarbeiten, eventuell eine Aussendung machen, diverse Abstimmungen für nächsten Tag, Eintrag ins Corona-Webtagebuch, die 1000 „<“-Zeichen löschen, weil ich am Computer eingenickt bin….
  • Am nächsten Tag um 6:00 Uhr heißt es dann wieder: Und täglich grüßt das Murmeltier J

Gerhard Mannsberger
Leiter des BOKU-Corona-Krisenstabes, Vizerektor für Organisation und Prozessmanagement

Die frischgebackene Akademikerin direkt nach der Online-Defensio. Die BOKU-Coronatagebuch-Redaktion gratuliert recht herzlich!! © Susanne Fritsche

Donnerstag, 26. März 2020

Anfangs dachte ich, dass mein Defensio-Termin verschoben werden muss. Aber ich habe meine Masterarbeit per Videokonferenz verteidigt. Ziemlich außergewöhnlich. Aber die BOKU hat es mir möglich gemacht. 

Es war eine enorme Herausforderung. Mit den regelmäßigen E-Mails habe ich mich jedoch sehr gut über die aktuelle Lage informiert gefühlt - und es ist ohne Verzögerung schließlich wirklich passiert: Ich habe Dienstag vormittags mein Headset ausgepackt und mich in das Zoom-Meeting eingewählt. Dort haben schon die Professoren auf mich gewartet, um die Defensio abzuhalten. Bildschirm geteilt, Mikrofon gecheckt und Präsentationsmodus eingestellt. 

Auch die Diskussionsrunde direkt im Anschluss verlief reibungslos. Alle Teilnehmer waren in Slides am Screen sichtbar. Wenn nötig, konnte ich mich während der Beantwortung der Fragen durch die Folien klicken, um Details zu erklären. Auch die Note wurde per Video verkündet - und ich strahlte stolz durch die Kamera zurück. 

Da saß ich dann, nach der Defensio, an meinem Tisch – ohne Handschlag, ohne Sprudelsekt. Aber voll Freude, dass ich jetzt mein Studium an unserer BOKU abgeschlossen hatte! 

Ich bin noch immer verblüfft, wie schnell sich die BOKU an die neuen Umstände angepasst hat. Danke an die Professoren und alle, die es uns ermöglichen, unser Studium in dieser Ausnahmesituation so gut es nur geht voranzutreiben. 

Susanne Fritsche
Anno dazumal BOKU-Studentin

High five for the BOKU-International Relations team © Ulrike Piringer

Wednesday, March 25th

Since last week the team of BOKU-International Relations has been working from home to keep the international activities at BOKU going and to provide special support in the CoVid-19 situation. But even in this difficult situation we still keep close contact. We exchange information twice a week during our zoom team meetings, organize many bilateral skype meetings and, of course, answer a large amount of e-mails per day, not only within the team, but especially e-mails from our clients - students and staff members. In times like these, it is very important to constantly exchange information within BOKU, with our partner universities all over the world, the Austrian Exchange Services (OeAD-GmBH) and the Austrian authorities (e.g. Austrian Federal Ministry of European and International Affairs).

We managed to overcome the technical hurdles and challenges from the first week and try to do “business as usual”, e.g. we work on the Erasmus application for next year, the prolongation of mobility projects, the BOKU development plan,… Language courses continue via online learning and also the tandem learning project continues online.

However, “Corona-activities” are most important and time consuming right now:

Highest priority at the moment is to inform mobile students and staff members and get an overview on their current physical location to be able to support them in the best possible way.

Already 10 days ago, we informed the BOKU students who are currently on exchange semester or research stay around the world about the return-recommendation of the Federal Ministry of European and International Affairs. Since then, we have been collecting the information and have been trying to support students in difficult situations. Many students already returned back home safely, a few are still struggling to get back and several students also decided to stay in the host country (e.g. students from Southern Tyrol who do not want to return to Italy right now). We are first contact on questions about scholarships, cancellation regulations and refunding of cancellation costs, insurance,…

In the meantime also many international students who spend an exchange semester at BOKU, returned to their home countries. Most of them plan to continue their study activities online and to return to BOKU as soon as possible. But many students also decided to stay in Vienna. We provide these students with information in English about the current regulations in Austria and at BOKU and also support them in residence permit and visa issues, just as we do e.g. for international BOKU staff members /guests whose residence permit is about to expire these days.

In addition to the information by e-mail and our international newsletter we also regularly launch facebook postings #coronachallenge with e.g information what students can do in Vienna during these challenging times. Yesterday our first “Virtual International Stammtisch” for international students and BOKU students interested in international activities was hosted via zoom.

As all staff mobilities have been cancelled too, we inform BOKU staff members about refunding of cancellation costs and insurance issues. We collect information and check if refunding is possible (e.g. via Austrian Exchange Services, projects, etc.). But no, at the moment we cannot answer the question, when business trips will be possible again.

And last, but not least, we of course support student and staff members to plan their mobilities for next study year, when the situation is hopefully back to normal.

Team BOKU-International Relations

Rettet nicht nur der Uni das IT-Leben, sondern auch den eigenen Kollegen das echte: Josef Krautgartner kocht Erdäpfelgulasch in der improvisierten Quarantäne-Küche (c) Andreas Schildberger

Dienstag, 24. März 2020

Eigentlich wollte ich dringend eine weitere BOKU-ITinfo schreiben. Dieses Mal eine Warnung vor Computerkriminellen, die die neue, ungewohnte Arbeitssituation und die allgemeine Verunsicherung der Menschen schamlos ausnutzen. Ich merke aber, dass ich begonnen habe, an meine Leute zu schreiben. Nicht weil es sein muss oder sein sollte, sondern weil ich es will. Und zwar aus tiefst empfundener Dankbarkeit einem Team gegenüber, das jeden Tag an sein Grenzen geht - und dort noch über sich hinauswächst. Ich werde ihnen auch heute jedes einzelne der zahlreichen, wunderbaren Dankesmails weiterleiten, die ich wieder für sie entgegennehmen durfte.

Welche unter ihnen sind nun die „IT-Helden“, über die ich schreiben sollte? Sind es jene, die von früh morgens bis tief in die Nacht Dokumentationen schreiben und Mails beantworten? Oder sind es jene, die dafür sorgen, dass die IT in nie dagewesenen Belastungssituationen nicht zusammenbricht? Vielleicht auch jene, die mittels IT dafür sorgen, dass Menschen nicht persönlich zusammentreffen müssen, um Lehrveranstaltungen, Meetings und Prüfungen abhalten zu können? Oder doch jene, die derzeit auch an Wochenenden durchgängig alle mit Feuereifer unterstützen, die Rat und Hilfe brauchen an einer Universität, der ein Virus über Nacht die Digitalisierung abverlangte?

Für mich sind sie alle Helden und sie sind es gerade auch deshalb, weil jede und jeder von ihnen mit vollstem Herzen Teil des Ganzen ist und gemeinsam sind sie für mich vor allem eines: das beste Team, das ich mir nur wünschen kann.

Als gestern die letzten von uns vor Ort noch hektisch ihren Einsatz absolvierten, um die finalen Vorbereitungen für den großen IT-Servicetransfer in Richtung Homeworking zu machen, die letzten Verleihnotebooks auszugeben und den Hotline-Betrieb für den Heimbetrieb umzubauen, roch es plötzlich unglaublich gut durch die gesamte BOKU-IT. Unser Kollege Josef Krautgartner hatte uns ein fantastisches Erdäpfelgulasch gekocht, das wir - natürlich in gebührlichem Abstand zueinander - mit größtem Vergnügen gemeinsam verspeisten. Obwohl wir zu Mittag noch gar nicht wussten, dass es unser letztes Essen für die nächsten neun Stunden sein sollte, war uns eines sonnenklar: Wir hatten für diesen Moment unseren Helden gefunden.

Andreas Schildberger
Leiter BOKU IT

Kaffeetasse, Laptop und Brille: das vollausgestattete Homeoffice © Reingard Grabherr

Montag, 23. März 2020

Ich habe Glück! Ich wohne außerhalb von Wien in einem Haus mit Garten, gemeinsam mit meinem Mann und zwei Katzen. Wir haben es uns ganz gut eingerichtet. Mein Büro ist im unteren Geschoß und das meines Mannes oben. Wir treffen uns dann mittags und machen gemeinsam Pause.

Eine Umstellung ist es schon. Aber die Kommunikation mit den KollegInnen und MitarbeiterInnen klappt toll! Alle sind per E-Mail, WhatsApp oder Signal erreichbar. Zoom haben wir auch schon eingerichtet – und es funktioniert hervorragend!

Im Moment habe ich keine Lehre. Ich bereite gerade eine Vorlesung für April vor, die dann auch online abgehalten werden könnte. Ich musste bereits eine Prüfung mit sieben TeilnehmerInnen absagen. Wir haben es so gelöst, dass die Studierenden eine Recherche und ein Exposé aufbekommen haben, die sie mir dann zum geplanten Prüfungstermin abgeben können.

Manchmal muss ich mich schon zwingen, Handy und Computer einmal bleiben zu lassen. Dann gehe ich in den Garten, laufen oder Rad fahren. Zwei Mal in der Woche bringe ich meinen Eltern Lebensmittel vorbei. Sie wohnen ganz in der Nähe. Ich stelle mich darauf ein, dass es noch länger so sein wird.

Ich weiß, dass nicht alle so viel Glück haben wie ich. Manche sind allein zu Hause und haben nicht die Möglichkeit, in den Garten zu gehen. Ich versuche, alle aufzumuntern. Einen Spaziergang kann man überall machen - und das empfehle ich sehr. Die Beobachtung der Infektionskurve macht mich zuversichtlich. Allerdings heißt es, weiterhin durchzuhalten!

Wenn wir nach Corona alle Kommunikationsprofis sind, könnten wir ja in Zukunft auch das eine oder andere Meeting online abhalten. Das würde dann auch das Problem mit den wenigen Besprechungsräumen lösen J

Reingard Grabherr
Mitglied des Krisenstabes, Univ. Prof. am Institut für Molekulare Biotechnologie

Wenn Desinfektionsmittel zur Mangelware wird, tritt Erik Griebl in Aktion (c) Erik Griebl

Freitag, 20. März 2020

Würde ich alle Tätigkeiten aufzählen, die seit 25. Februar anlässlich der Corona-Krise in der Stabsstelle ArbeitnehmerInnenschutz und Gesundheit zu meinem Arbeitsalltag gehören, würden die Tagebuchseiten wohl nicht ausreichen. Im Schnelldurchlauf: Ich versuche nahezu rund um die Uhr alle Anfragen, die über corona(at)boku.ac.at eintreffen, zu beantworten, erhebe aktuelle Daten bei Behörden und Medizinern, um gesicherte Auskunft geben zu können und recherchiere ständig relevante Online-Plattformen, um die Inhalte der Homepage gemeinsam mit meiner Kollegin aktuell zu halten. Manchmal wünschte ich, ich wäre auch ein Rechtsexperte, etwa, wenn ich Anfragen zu Reiserücktritten erhalte.

Für Firmen, die an der BOKU mit Bauvorhaben beschäftigt sind, bin ich die erste Ansprechperson, wenn es um Abschaltungen der Brandmeldeanlage geht, damit die Tätigkeiten koordiniert verschoben werden können. Das betrifft auch die Planung diverser Terminabsagen in meinem direkten Arbeitsbereich, wie die Begehung der Arbeitsinspektion, Impftermine mit der Arbeitsmedizinerin um nur zwei Beispiele zu nennen.

Heute habe ich gemeinsam mit Markus Luchner, einem Kollegen von der Biotechnologie, eine neue Erfahrung gemacht und selbst Desinfektionsmittel hergestellt - gleich in großem Gebinde als Sicherheitspuffer.

Meine beiden kleinen Kinder bekommen mich derzeit kaum noch zu Gesicht. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich mein Tagesgeschäft in den kommenden Tagen langsam wieder einpendeln wird. Ich wünsche allen Kolleginnen und Kollegen vor allem eines: Gesundheit!

Erik Griebl
Stabsstelle ArbeitnehmerInnenschutz und Gesundheit

Stets gut bewacht: die neue Einsatzzentrale des Betriebsrates (c) Eva-Maria Baldrian-Wagner

Donnerstag, 19. März 2020

Ich bin von der Früh, wenn die Handwerker*innen und Techniker*innen den Dienst antreten, bis spät am Abend mit Anfragen rund um das Thema Arbeitsrecht beschäftigt. Mein besonderes Anliegen ist es, gute und rasche Lösungen für alle zu finden. Die BOKU ist wie ein Großunternehmen, das viele kleine Betriebe, die Organisationseinheiten, beheimatet. Deshalb gibt es vielschichtige und komplexe Fragestellungen, die sich über alle Standorte und Organisationseinheiten verteilen. Bei mir melden sich Menschen, die das System im Notbetrieb aufrechterhalten, aber auch Eltern, chronisch kranke Mitarbeiter*innen, Leiter*innen von Organisationseinheiten u.v.m. - teilweise über zwei Messenger-Dienste, via Email und Telefon.

Ich koordiniere mit dem Rektorat laufend die Anpassungen, die die neue Lage erforderlich macht - derzeit überholen uns häufig die österreichweiten Vorgaben im Stundentakt. Durch die sehr unterschiedlichen Arbeits- und Versuchsbetriebe an der BOKU kann man oft keine pauschale Antwort geben - jedoch zumindest in Einzelfällen auf raschem Weg mit dem Arbeitgeber Klärung und Hilfe herbeiführen.

Dabei versuche ich stets, meinem Namen gerecht zu werden – der Baldrian steht im Pflanzenreich für seine beruhigende Wirkung - und trotz Hektik, Stress und Schlafentzug wertschätzend und geduldig die vielen Fragen und Sorgen behutsam einzufangen und, soweit es geht, zu lösen. Ich selber bin beruhigt, wenn ich weiß, dass alle meine Lieben - dazu zählen meine Familie und die BOKU-Gemeinschaft gleichermaßen - in Sicherheit sind.

Daheim sorgen ein Welpe und ein älterer Hund dafür, dass ich zwischendurch beim Arbeiten am PC in unserer neuen Einsatzzentrale - mangels Schreibtisch ist es unsere Küche - genügend Bewegung mache. Meine beiden tierischen Begleiterinnen waren auch stets bei den Sitzungen des Krisenstabs dabei - was oft für kurzfristige Entspannung während der teilweise siebenstündigen Sitzungen sorgte.

Ich kann nur raten: Befolgen Sie bitte die CoVid19-Maßnahmen und achten Sie auf sich und Ihre Lieben. Zusammenhalt über alle Beschäftigungsgruppen hinweg hilft uns ganz bestimmt, dass wir die für uns alle neue Situation gemeinsam meistern.

Eva-Maria Baldrian-Wagner
Betriebsrätin für das allgemeine Personal

Homeworking with Mommy’s little helper (c) Kirsten Sleytr

Mittwoch, 18. März 2020

Mein Name ist Kirsten Sleytr, ich bin Gesundheitsmanagerin und ich arbeite derzeit im Homeoffice.

In der Früh bringe ich normalerweise mein Kind in den Kindergarten dann fahre ich in die Arbeit, eine Routine, die jetzt wegfällt. Das „spart“ im Augenblick zwar zwei Stunden Zeit am Tag, fließt aber gleichzeitig auch wieder in die Betreuung, weil die Großeltern nicht auf die Kleine aufpassen sollen.

Neben einem Kind zu arbeiten ist herausfordernd! Voll konzentrieren kann ich mich nur, wenn die großen Halbgeschwister aufpassen oder für kurze Zeit mein Mann - er ist selbstständig und ebenfalls im vollen Einsatz. Ansonsten kann ich nur auf „Alleinspielzeiten“ setzen, doch das funktioniert halt auch nur eingeschränkt bei einer Dreijährigen ;-)

Was sind meine derzeitigen Tätigkeiten?
Am Montag ging es primär um Absagen und Verschiebungen diverser Termine und Veranstaltungen. Dies wird sich in den nächsten Tagen undWochen fortsetzen. Danach heißt es, Informationen für alle Mitarbeiter*innen zusammenfassen und aussenden. Ich führe auch telefonische Beratungen durch, der größte Teil meinerKommunikation läuft aber über e-Mail.

Ich bin mit meinem Chef Erik Griebl im engen telefonischen Kontakt, um unsere Website tagesaktuell zur Situation upzudaten. Dieser unterstützt mich und unser Team übrigens hervorragend, er hat allen seinen Mitarbeiter*innen Home Office ermöglicht und genehmigt.

In einem Stück zu arbeiten ist zwar schwierig, aber ich nutze meine Zeit so gut ich kann. Dazwischen schaue ich auf mich und meine Familie. Heute werde ich für meine Eltern, die zu einer Risikogruppe gehören, einkaufen gehen.

Ich versuche viel an die frische Luft zu gehen und bin sehr dankbar, dass ich einen eigenen Garten habe. Mit täglichen Atemübungen versuche ich meine mentale Ausrichtung, meinen Körper und speziell meine Lunge zu stärken.

Die neue Situation fordert mich, aber ich sehe sie auch als Chance für positive Veränderung. Ich möchte Sie nutzen und hoffe, dass ich die/den ein oder andere/n gut auf dem Weg begleiten kann.

Ich freue mich auf ein baldiges reales Wiedersehen!

Kirsten Sleytr
Gesunde BOKU

Tagebucheinträge werden gerne entgegengenommen.
Kontakt: public.relations(at)boku.ac.at