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Wo findet der Wolf in Österreich geeigneten Lebensraum – und wo ist gleichzeitig das Risiko für Übergriffe auf Nutztiere besonders hoch? Forschende der BOKU University haben erstmals für ganz Österreich beide Faktoren gemeinsam räumlich modelliert. Die Ergebnisse zeigen: Rund 47 Prozent der Landesfläche eignen sich grundsätzlich als Lebensraum für Wölfe, auf 23 Prozent besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Nutztierrisse. 

Der Wolf breitet sich in Österreich wieder aus – und damit nehmen auch die Herausforderungen für die Weidetierhaltung zu. Forschende des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU University haben nun erstmals für ganz Österreich untersucht, wo geeignete Lebensräume für Wölfe mit einem erhöhten Risiko für Nutztierrisse zusammenfallen.
 
Dafür analysierte das Team um Erstautor Florian Kunz 124 sorgfältig ausgewählte Wolfsnachweise und 109 dokumentierte Rissereignisse und verknüpfte diese mit 37 Faktoren wie Waldanteil, Gelände, Siedlungsnähe und Nutztierhaltung.
 
Fast die Hälfte Österreichs bietet geeigneten Lebensraum

Das Ergebnis: Rund 47 Prozent der Fläche Österreichs eignen sich grundsätzlich als Lebensraum für Wölfe. Auf etwa 23 Prozent der Landesfläche besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Nutztierrisse. Rund 8.000 Quadratkilometer beziehungsweise knapp zehn Prozent Österreichs weisen beides auf.

„Geeigneter Wolfslebensraum bedeutet nicht automatisch ein hohes Konfliktpotenzial“, erklärt Florian Kunz. „Entscheidend ist, wo gute Lebensbedingungen für den Wolf mit einer hohen Gefährdung für Nutztiere zusammentreffen.“

Almen und Weideflächen besonders im Fokus

Besonders konfliktträchtige Gebiete finden sich auf alpinen Weideflächen am oder oberhalb des Waldrandes sowie auf offenen, von Wald umgebenen Flächen. Derartige Flächen liegen vor allem in Tirol und Kärnten. Um diese Gebiete sichtbar zu machen, entwickelten die Forschenden einen Priorisierungsindex, der die Eignung als Wolfslebensraum mit der Anfälligkeit für Nutztierrisse verbindet. Damit lässt sich erkennen, wo Präventionsmaßnahmen besonders notwendig wären.
 
Schutzmaßnahmen gezielt einsetzen

Gerade im alpinen Gelände sind klassische Schutzmaßnahmen allerdings nicht immer einfach umzusetzen. Großflächige wolfssichere Zäune stoßen auf steilen und schwer zugänglichen Almflächen rasch an praktische Grenzen. Je nach Standort können daher auch Behütung, Nachtpferche, Herdenschutzhunde oder Kombinationen verschiedener Maßnahmen eine Rolle spielen. Dieser Mehraufwand für die Nutztierhalter ist mit entsprechenden Mehrkosten verbunden.

Die Forschenden betonen zugleich, dass die Modelle keine Vorhersage darüber liefern, wo es künftig tatsächlich zu einem Wolfsriss kommen wird. Sie zeigen vielmehr, wo aufgrund der vorhandenen Daten und Landschaftsbedingungen besonderer Handlungsbedarf besteht. „Unser Ziel ist es, eine sachliche räumliche Grundlage für Entscheidungen zu schaffen“, so Kunz. „Wenn wir wissen, wo sich geeigneter Lebensraum und erhöhtes Konfliktpotenzial überschneiden, können Präventionsmaßnahmen wesentlich effektiver geplant werden. Das ist eine wichtige Voraussetzung für ein konfliktarmes Zusammenleben von Mensch und Wolf.“

Die Studie unterstreicht, dass nachhaltiges Wolfsmanagement unterschiedliche Instrumente benötigt – von vorbeugendem Herdenschutz und Beratung über Entschädigungsmodelle bis hin zu einem systematischen Monitoring. Ebenso wichtig seien transparente Daten und eine Zusammenarbeit über Bundesländer- und Staatsgrenzen hinweg.

Publikation
Kunz, F. et al.: Prioritizing areas for wolf management in Austria by modelling potential habitat and depredation risk. Wildlife Biology, 2026.
DOI: 10.1002/wlb3.01655

Fotos zur Verwendung im Rahmen der Aussendung und unter Nennung des Copyrights © J.Hatlauf: https://drive.boku.ac.at/d/f37e5e49daf640b9a4ce/ 

Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Florian Kunz, M.Sc.
BOKU University
Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft
Email: florian.kunz(at)boku.ac.at
Telefon: +43 1 47654-83220