30.09.2026 - Neues Christian Doppler Labor an der BOKU University eröffnet
V.l.: Martin Gerzabek (Präsident der Christian Doppler Gesellschaft), Monika Cserjan (Leiterin des neuen CD Labors), Cécile Brocard (Head of Development Operations von Boehringer Ingelheim in Wien) und Christoph Pfeifer (BOKU-Vizerektor für Forschung und Innovation)
Am 30. September 2026 wurde ein neues Christian Doppler-Labor am BOKU-Standort Muthgasse im Beisein von Martin Gerzabek, Präsident der Christian Doppler Forschungsgesellschaft, sowie dem BOKU-Vizerektor für Forschung und Innovation, Christoph Pfeifer, eröffnet.
Das CD-Labor für Nachhaltige Herstellung funktionalisierter biopharmazeutischer Peptide wird am Department für Biotechnologie und Lebensmittelwissenschaften, eingerichtet und von Monika Cserjan geleitet. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) sowie vom Unternehmenspartner Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG.
Spitzenforschung in industrielle Wertschöpfung übersetzen
„Wer Europas Unabhängigkeit stärken will, muss Forschung und Produktion am eigenen Standort sichern. Genau hier setzt unsere Industriestrategie 2035 an: Aus wissenschaftlicher Stärke sollen mehr industrielle Wertschöpfung und hochwertige Arbeitsplätze in Österreich entstehen. Life Sciences und Biotechnologie bieten dafür enormes Potenzial. Mit diesem CD-Labor bringen wir Spitzenforschung und unternehmerisches Know-how zusammen und schaffen die Grundlagen, damit wichtige Arzneimittel künftig effizienter und nachhaltig in Europa hergestellt werden können. Damit stärken wir den Wirtschaftsstandort Österreich und verringern Abhängigkeiten bei der Versorgung mit Medikamenten“, betont Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.
Herstellung von biopharmazeutischen Peptiden revolutionieren
Peptide als Medikamente kommen unter anderem bei Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in der Onkologie sowie als Antibiotika zum Einsatz. Viele dieser Wirkstoffe enthalten spezielle Bausteine, die in der Natur nur selten vorkommen – sogenannte nicht-kanonische Aminosäuren. Diese können Peptide stabiler machen und dadurch ihre Wirkdauer im Körper verlängern. Zudem ermöglichen sie eine gezielte Kopplung von Peptiden an andere Wirkstoffe, etwa bei chemotherapeutischen Substanzen. Dadurch können Tumorzellen selektiver erkannt und Krebserkrankungen potenziell wirksamer und mit geringeren Nebenwirkungen behandelt werden.
Im CD-Labor wird die Herstellung dieser wichtigen Therapeutika in den kommenden sieben Jahren revolutioniert. Dafür kommen gentechnisch veränderte Bakterien zum Einsatz, die nicht-kanonische Aminosäuren hocheffizient in Peptide einbauen können“, erklärt die neue CD-Labor-Leiterin Monika Cserjan. Das interdisziplinäre Forschungsteam verbindet molekulare, zelluläre und synthetische Biologie mit modernsten F7/ermentations- und Aufarbeitungstechnologien.
Dieser biotechnologische Produktionsprozess bietet eine kostengünstige und nachhaltige Alternative zur herkömmlichen chemischen Peptidsynthese, bei der große Mengen an Lösungsmitteln und potenziell gefährlichen Chemikalien benötigt werden. „Im Mittelpunkt unserer Forschung stehen nicht einzelne Medikamente, sondern effiziente, wissensbasierte, skalierbare und nachhaltige Herstellungsplattformen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Beantwortung grundlagenwissenschaftlicher Fragen, die sich beim Übergang von der Laborforschung zur industriellen Produktion stellen“, fährt Cserjan fort.
Christoph Pfeifer, Vizerektor für Forschung an der BOKU University, schätzt vor allem die langfristig angelegte Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie. „Das neue CD-Labor ermöglicht es, die seit über 30 Jahren laufende Kooperation zwischen der BOKU University und Boehringer Ingelheim als Vertreter der Industrie maßgeblich auszubauen und ein breites Spektrum an offenen Fragestellungen in der Bioprozesstechnik auf der Ebene der Grundlagenforschung zu bearbeiten. Dies ist für die erfolgreiche Umsetzung dieses hochmotivierten Programms unerlässlich.“
Gesundheit von Mensch und Tier verbessern
Das global agierende, familiengeführte Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim entwickelt bahnbrechende Therapien, die Leben verändern - heute und für kommende Generationen. Seit der Gründung im Jahre 1885 in Familienbesitz, zählt das Unternehmen heute zu den weltweit führenden forschenden Pharmaunternehmen. „Boehringer Ingelheim investiert rund 25 Prozent seiner weltweiten Umsatzerlöse in Forschung und Entwicklung. Echte Innovation entsteht jedoch dort, wo engagierte Menschen ihr Wissen teilen, neue Perspektiven zusammenbringen und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Dafür braucht es herausragende Wissenschaftler*innen, starke Kooperationen und eine Kultur des offenen Austauschs, um zukunftsweisende Therapien für kommende Generationen zu entwickeln,“ erklärt Cécile Brocard, Head of Development Operations, Vienna. Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG.
Über Christian Doppler Labors: In Christian Doppler Labors wird anwendungsorientierte Grundlagenforschung auf hohem Niveau betrieben, hervorragende Wissenschafter*innen kooperieren dazu mit innovativen Unternehmen. Für die Förderung dieser Zusammenarbeit gilt die Christian Doppler Forschungsgesellschaft international als Best-Practice-Beispiel.
Christian Doppler Labors werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert. Wichtigster öffentlicher Fördergeber ist das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET).
Fotos von der Eröffnung des neuen Christian Doppler Labors zur freien Verwendung unter Nennung des Copyrights finden Sie im Laufe des Tages unter folgendem Link: https://bokubox.boku.ac.at/#ef759226a89d079c050faadf82d52379
Wissenschaftlicher Kontakt:
DIin Dr.in Monika Cserjan
BOKU University
Department für Biotechnologie und Lebensmittelwissenschaften
Institut für Bioverfahrenstechnik
Email: monika.cserjan(at)boku.ac.at
Tel.: +43 1 47654 79096
Copyright: BOKU University/Peter Zeschitz
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