Wildtiere, ihre Lebensräume und ihr Zusammenleben mit dem Menschen stehen seit 50 Jahren im Zentrum des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der BOKU. Dieses Jubiläum wurde mit hochkarätigen Gästen gefeiert. 

Die Wurzeln der Wildtierkunde an der BOKU reichen weit zurück. Bereits 1872 war das Fach „Wildkunde und Jagdbetrieb“ an der damaligen „k. k. Hochschule für Bodencultur“ ein Pflichtfach in der forstlichen Ausbildung. Mit der Berufung von Hartmut Gossow wurde 1976 schließlich das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) gegründet. 

Seither hat sich das IWJ zu einem national und international renommierten Zentrum der Wildtierforschung entwickelt. Unter der nunmehr 20-jährigen Leitung des Institutsleiters Klaus Hackländer wurden wichtige Impulse für Forschung und Lehre gesetzt und zahlreiche Fragestellungen rund um Wildtiere, ihre Lebensräume und die nachhaltige Bewirtschaftung von Wildtierpopulationen wissenschaftlich begleitet. 

Wildtierforschung im Wandel der Zeit

Das 50-jährige Bestehen des Instituts wurde mit einer hochkarätig besetzten zweitägigen Jubiläumsfeier an der BOKU gewürdigt. Rund 150 Gäste aus Politik, Wissenschaft, Jagdverbänden und Naturschutz kamen zusammen, um auf fünf Jahrzehnte erfolgreicher Forschung und Lehre zurückzublicken und zugleich einen Blick auf die Zukunft der europäischen Wildtierforschung zu werfen. 

In ihren Begrüßungsstatements lobten Bundeswirtschaftsminister Norbert Totschnig, der Wiener Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky, die Geschäftsführerin des WWF Österreich, Andrea Johanides, sowie Landesjägermeister und Präsident von Jagd Österreich Anton Larcher, die Bedeutung der laufenden Wildtierforschung für die Arten selbst, ihre Lebensräume und der Erhalt der Populationen in Zeiten herausfordernder Umweltbedingungen. 

Bedeutung der Forschung für die Praxis

Wildtiere bewegen sich in unserer Kulturlandschaft in sich stets verändernden Lebensräumen, die von sehr unterschiedlichen Nutzungsinteressen geprägt sind. Dabei treffen Land- und Forstwirtschaft, Jagd, Fischerei, Naturschutz, Tourismus und Raumplanung aufeinander. „Wildtier-Management ist deshalb immer auch eine Aufgabe, bei der ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte zusammengeführt werden müssen. Das IWJ hat wesentlich dazu beigetragen, diese Zusammenhänge wissenschaftlich zu erschließen. Es hat nicht nur die akademische Landschaft der BOKU bereichert, sondern leistet mit bedeutsamer Grundlagen- und angewandter Forschung konkrete Beiträge für die Praxis, auf die man als eine der renommiertesten Nachhaltigkeitsuniversitäten Europas stolz sein kann“, betont Gerhard Mannsberger, Vizerektor für Personal, Organisation und Digitalisierung an der BOKU. 

Die Leiterin des Departments für Ökosystemforschung, Klima und Biodiversität (ÖKB), Ursula Nopp-Mayr, bestätigte in ihren Grußworten die Bedeutung des IWJ für das ÖKB und betonte, dass die hervorragenden Leistungskennzahlen des IWJ in Forschung und Lehre vor allem durch den Teamgeist und die interdisziplinäre Arbeit hervorgehen. Das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft koordiniert mit der Programmbegleiterin Eva Schöll nicht nur das Masterstudium Wildtierökologie und Wildtiermanagement, sondern bietet mit der Lehrgangsmanagerin Christine Thurner den Universitätslehrgang Jagdwirt*in an. 

Rund 1.000 Absolvent*innen beider Lehrangebote profitierten in den vergangenen 20 Jahren durch die Expertise des IWJ-Teams. Die Sprecherinnen der Alumni-Fachgruppen Jennifer Hatlauf (Wildtierökologie und Wildtiermanagement) und Jagdwirtin Christine Fischer beleuchten die Bedeutungen von ganzheitlicher Lehre und lebenslangem Lernen für die fachliche Qualifikationen von Akademikern und Jäger*innen im Bereich nachhaltigem Wildtiermanagement. 

Ein starkes Netzwerk für Wildtiere

Am darauffolgenden zweiten Tag der Jubiläumsfeierlichkeiten, moderiert durch den Institutsleiter und seinen Stellvertreter Florian Kunz, kamen ausschließlich IWJ-Alumni auf die Bühne. Viele der ehemaligen BOKU-Studierenden und IWJ-Mitarbeitenden können beeindruckende wissenschaftliche Karrieren aufweisen. Vier von ihnen präsentierten neueste Forschungsergebnisse aus ihren Wirkungsstätten: 

  • Michaela Corsini, Eurac Research Bozen: “Where the wild led me from cities to mountains: A research journey through human-wildlife interactions”
  • Andreas Zedrosser, University of South-Eastern Norway: “Jenseits des Abschusses: Nicht-letale Folgen der Jagd”
  • Sabrina Dressel, Wageningen University & Research: “Wild willkommen? Gesellschaftliche Perspektiven auf Wildtiere, Wildnis und Koexistenz“
  • Friederike Pohlin, Vetmeduni Wien: „Vom Siebenschläfer bis zum Nashorn: Wildtiermedizin zwischen Forschung und Praxis“

Danach folgten IWJ-Alumni, die im Bereich des Wildtiermanagement tätig sind: 

  • Christoph Ledinitznig, Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal: „Wildnisgebiet: Warum Management?“
  • Stefan Schörghuber, Österreichische Bundesforste AG: „Der Wald der Zukunft braucht Weitblick – den Herausforderungen interdisziplinär begegnen“
  • Annemarie Kaiser, Landesamt für Umweltschutz Brandenburg: „Wild.Wertvoll.Vernetzt. Ostdeutschlands grüne Schatzkammer“, Gernot Heigl MSc, Vorarlberger Jägerschaft: „Wildtiere in der Kulturlandschaft - Wildökologische Raumplanung als Interessensausgleich“

Zum Ausklang der sehr stimmungsvollen Feierlichkeiten wurden aktuelle Forschungsthemen der wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen des Instituts vorgestellt und die Bedeutung der „Third Mission“ erläutert. Die BOKU hat es sich nämlich nicht nur zur Aufgabe gemacht, den traditionellen Kernaufgaben Forschung und Lehre nachzugehen, sondern ebenfalls das dadurch generierte Wissen niederschwellig in die Gesellschaft zu bringen. Am IWJ erfolgt das insbesondere über populärwissenschaftliche Medienkooperationen, etwa den beiden renommierten Jagdmagazinen „Der Anblick“ und „Die Pirsch“. Deren Chefredakteure und IWJ-Alumni Martin Ossmann sowie Martin Weber gaben Einblicke in ihre Tätigkeiten und in die Zusammenarbeit mit dem Institut. 

Kontakt bei Rückfragen
Mag. Christine Thurner 
BOKU University
Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft 
Email: christine.thurner(at)boku.ac.at 
Tel.: +43 1 47654 83229

Christoph Gruber | BOKU University

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