V.l.n.r.: Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Preisträger Georg Gübitz und Johann Danzl sowie LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf (Copyright: Klaus Ranger)

Große Anerkennung für die BOKU: Bei den Wissenschaftspreisen des Landes Niederösterreich 2026 wurden mehrere Forscher*innen für ihre Arbeit an der Universität geehrt. 

Mehr als 500 Publikationen, fast 21 Millionen Euro eingeworbene Drittmittel und 28 betreute Dissertationen: Die wissenschaftliche Bilanz von Georg Gübitz ist eindrucksvoll. Nun erhält der langjährige BOKU-Forscher den Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für sein wissenschaftliches Gesamtwerk. 

Seit seiner Berufung an die BOKU im Jahr 2013 beschäftigt sich Gübitz mit einer Frage, die angesichts knapper werdender Ressourcen immer wichtiger wird: Wie können wir vorhandene Rohstoffe besser nutzen und Materialien möglichst nachhaltig in Kreisläufe zurückführen? 

Als Leiter des Instituts für Umweltbiotechnologie erforscht er dafür das Potenzial von Enzymen. Seine Forschung reicht vom umweltfreundlicheren Recycling und der Verarbeitung von Polymeren bis zur Suche nach neuen Enzymen und der Aufwertung landwirtschaftlicher Nebenprodukte. 

Doch sein Einfluss reicht über seine Forschung hinaus: Gübitz hat auch die Entwicklung und internationale Sichtbarkeit des Wissenschaftsstandorts Tulln maßgeblich mitgeprägt. Von 2016 bis 2024 leitete er das interuniversitäre Forschungsinstitut für Agrarbiotechnologie (IFA-Tulln) und war maßgeblich am Ausbau der Laborinfrastruktur beteiligt. Damit trug er wesentlich dazu bei, den Campus Tulln international sichtbar zu machen. 

Georg Rabl erhält den Wissenschaft Zukunft Preis für seine Masterarbeit zur Wiederansiedlung der Europäischen Äsche im Mittellauf des niederösterreichischen Kamps. (Copyright: Patrick Salfinger)

Neue Chancen für die Äsche

Neben Georg Gübitz wurden heuer auch zwei BOKU-Nachwuchswissenschaftler mit dem Wissenschaft Zukunft Preis der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich ausgezeichnet. 

Georg Rabl erhält den Preis für seine Masterarbeit zur Wiederansiedlung der Europäischen Äsche (Thymallus thymallus) im Mittellauf des niederösterreichischen Kamps. Er untersuchte, wie die jungen Äschen unter natürlichen Bedingungen wachsen und welche Hindernisse ihre Rückkehr in den Fluss behindern. 

Dabei stellte er fest, dass die Jungfische unter den aktuellen Habitatbedingungen erfolgreich überleben konnten, jedoch die Stauseen und die dadurch fehlenden Laichplätze in Zukunft kritische Defizite darstellen. Seine Arbeit zeigt potenzielle Problematiken auf, liefert entscheidende Daten für Renaturierungsprojekte und hilft, die Biodiversität in den Flüssen Niederösterreichs nachhaltig zu schützen.

Am BOKU-Standort in Tulln forschte Felix Neudecker im Zuge seiner Dissertation an Wegen, Weizenstroh als nachwachsende Rohstoffquelle nutzbar zu machen und in ein Hochleistungsprodukt umzuwandeln. (Copyright: Patrick Salfinger)

Stroh als Werkstoff der Zukunft

Am BOKU-Standort in Tulln forschte Felix Neudecker im Zuge seiner Dissertation an Wegen, Weizenstroh als nachwachsende Rohstoffquelle nutzbar zu machen und in ein Hochleistungsprodukt umzuwandeln. Stroh ist ein reichlich vorhandenes Agrar-Nebenprodukt, das durch gezielte Modifizierung ein kreislauffähiger Werkstoff werden kann. Durch die Kombination aus Teil-Delignifizierung und Verdichtung vervielfachte sich die Zugfestigkeit von Strohhalmen um das Achtfache. Dadurch wurden Festigkeitswerte erreicht, die im Bereich von Baustahl liegen. Außerdem belegt seine Arbeit, dass durch eine zusätzliche mikrobielle Vorbehandlung normgerechte, bindemittelfreie Faserplatten aus dem Reststoff Stroh hergestellt werden können. Beides dient als Grundlage, um Agrar-Reststoffe wertschöpfend zu nutzen und die regionale Bioökonomie in Niederösterreich zu stärken.