Anna Lindenberger bei der Instandhaltung der Messinstrumente und Sensoren der Messstation © Johannes Zinner

Anna Lindenberger bei der Instandhaltung der Messinstrumente und Sensoren der Messstation © Johannes Zinner

Vier Jahre europäische Forschung im Projekt REWET: Die BOKU untersuchte an der March bei Marchegg, wie sich renaturierte Flussauen auf Kohlenstoffhaushalt, Treibhausgase und Biodiversität auswirken. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung langfristiger Beobachtung für eine wirksame Umsetzung der EU Nature Restoration Regulation.

Feuchtgebiete gehören zu den ökologisch besonders wertvollen Lebensräumen Europas. Sie speichern Kohlenstoff, beeinflussen den Wasserhaushalt und bieten Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Welche Funktionen ein renaturiertes Feuchtgebiet tatsächlich entwickelt und wie sie sich langfristig verändern, hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab. Hier setzte das europäische Forschungs- und Innovationsprojekt REWET (REstoration of WETlands to minimise emissions and maximise carbon uptake) an, das nach vier Jahren am 30. September 2026 abgeschlossen wurde.

Das von der Europäischen Kommission im Rahmen von Horizon Europe geförderte Projekt wurde von IDENER (Spanien) koordiniert. 18 Partner aus neun europäischen Ländern – darunter Universitäten und Forschungseinrichtungen, NGOs, öffentliche und wasserwirtschaftliche Institutionen sowie Unternehmen und weitere Praxispartner – untersuchten, wie die Wiederherstellung von Feuchtgebieten langfristig wirksam gestaltet und wissenschaftlich begleitet werden kann.

Sieben „Open Labs“ in Europas Feuchtgebieten

Ein zentraler Bestandteil von REWET waren sieben sogenannte Open Labs in unterschiedlichen europäischen Feuchtgebietstypen. Untersucht wurden unter anderem Moore, Süßwasserfeuchtgebiete und Flussauen in den Niederlanden, Österreich, Finnland, Estland, Belgien, Italien und Portugal.

Die BOKU University war mit dem Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau (IBLB) beteiligt und koordinierte Open Lab #2 im WWF Auenreservat an der March bei Marchegg. Im Mittelpunkt stand die Treibhausgasdynamik einer bereits renaturierten Flussauenlandschaft.

„Mit REWET konnten wir sehr deutlich zeigen, dass Renaturierung nicht mit der Umsetzung einer einzelnen Maßnahme abgeschlossen ist. Entscheidend ist, wie sich ein Ökosystem danach entwickelt und ob die gewünschten Funktionen tatsächlich entstehen und langfristig erhalten bleiben“, so die wissenschaftliche Leiterin Magdalena von der Thannen zum von der BOKU University koordinierten Open Lab.

Was passiert nach der Renaturierung?

In den sieben Open Labs wurden unterschiedliche Renaturierungs- und Managementansätze unter realen Bedingungen untersucht und langfristig beobachtet. An der March kam unter anderem ein kontinuierliches Eddy-Covariance-Monitoringsystem zum Einsatz, das auf einer schwimmbaren Plattform installiert wurde. Damit konnten die Austauschprozesse von Treibhausgasen zwischen Ökosystem und Atmosphäre untersucht werden.

Die Messungen wurden mit Erhebungen zu Hydrologie, Boden, Vegetation und Biodiversität kombiniert. Auf diese Weise entstand ein umfassendes Bild davon, wie sich die renaturierte Auenlandschaft entwickelt und welche Ökosystemfunktionen sie erfüllt.

So zeigte sich z.B. ein deutlicher Wandel zwischen zwei Untersuchungsjahren: 2024 fungierte das Ökosystem trotz höherer Methanausgasungen als Kohlenstoffsenke, während es 2025 – einem sehr trockenen Jahr – zur Kohlenstoffquelle wurde. Ausschlaggebend war die geringere Wasserverfügbarkeit, die die Vegetation in ihrer Leistungsfähigkeit einschränkte.

„Gerade bei Feuchtgebieten ist der Wasserhaushalt ein entscheidender Faktor. Er beeinflusst unter anderem die Kohlenstoffspeicherung und die Treibhausgasdynamik. Deshalb brauchen wir Messungen, die ökologische, hydrologische und klimatische Prozesse gemeinsam betrachten“, erklärt die wissenschaftliche Projekt-Mitarbeiterin Anna Lindenberger vom BOKU-Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau.

Von der Forschungsfläche zur europäischen Politik

Die Ergebnisse von REWET sind auch vor dem Hintergrund der EU Nature Restoration Regulation (NRR) relevant. Die Verordnung setzt verbindliche Ziele für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und unterstreicht die Bedeutung von Monitoring und belastbaren Daten für wissenschaftlich fundierte nationale Wiederherstellungspläne.

REWET zeigt, dass der Erfolg von Renaturierung nicht allein anhand der wiederhergestellten Fläche beurteilt werden sollte. Entscheidend ist auch, ob und unter welchen Bedingungen die angestrebten Ökosystemfunktionen tatsächlich entstehen und dauerhaft erhalten bleiben.

Langfristige Beobachtung als Schlüssel

Nach vier Jahren Forschung zieht REWET eine zentrale Schlussfolgerung: Die Renaturierung eines Feuchtgebiets ist nicht das Ende des Prozesses, sondern der Beginn einer langfristigen Entwicklung.

Für die BOKU zeigt die Forschung an der March, wie wissenschaftliche Langzeitbeobachtung, praktische Renaturierung und europäische Umweltpolitik miteinander verknüpft werden können.

„Wir brauchen eine Renaturierung, die nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern auch im Ökosystem. Dafür müssen wir beobachten, messen und aus den Ergebnissen lernen. Genau diese Verbindung von Forschung und Umsetzung ist eine wesentliche Stärke von REWET“, betont BOKU-Projektleiter Hans Peter Rauch.

Das Projekt REWET lief vom 1. Oktober 2022 bis 30. September 2026 und wurde im Rahmen des EU-Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe von der Europäischen Kommission gefördert.

Zur Website REWET

Bildmaterial zum Projekt REWET (BOKU-Box)

Abschluss-Video zum Projekt REWET

Wissenschaftlicher Kontakt:
DI DI Dr. Magdalena von der Thannen 
BOKU University
Department für Landschaft, Wasser und Infrastruktur
Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau
T +43 1 47654-87405
m.v-d-thannen(at)boku.ac.at