V.l.n.r.: Manuel Schneider von der Selbach Umweltstiftung, Preisträgerin Katharina Bohnenberger und Julian Willming für den Vorstand der VÖÖ (Copyright: Kapp)

BOKU-Forscherin Katharina Bohnenberger erhält den Kapp-Forschungspreis 2026. Ihre Dissertation zeigt, wie öffentliche Dienstleistungen, nachhaltige Beschäftigung und soziale Absicherung den ökologischen Wandel voranbringen können.

Wie lassen sich Menschen sozial absichern, ohne die natürlichen Lebensgrundlagen weiter zu zerstören? Dieser Frage widmet sich Katharina Bohnenberger vom Institut für Soziale Ökologie an der BOKU University. Für ihre Dissertation „Welfare systems within planetary boundaries: Essays on ecological work and social policy“ wurde sie am 23. Oktober auf der Jahrestagung der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) in Karlsruhe mit dem Kapp-Forschungspreis 2026 ausgezeichnet.

Der Sozialstaat als Gestalter des Wandels

Umweltpolitik soll Emissionen senken, Sozialpolitik vor Armut und sozialen Risiken schützen. Bohnenbergers Arbeit verbindet diese häufig getrennt betrachteten Aufgaben. Denn sozialstaatliche Leistungen und Regeln prägen, wie Menschen arbeiten, wohnen und konsumieren – und damit auch ihren Ressourcenverbrauch.

Die Forscherin untersucht unter anderem, wie Geldleistungen, Gutscheine und öffentliche Dienstleistungen soziale Sicherheit und ökologische Ziele verbinden können. Ein gut ausgebauter öffentlicher Verkehr etwa ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und verringert zugleich die Abhängigkeit vom Auto. Im Mittelpunkt steht der Ansatz „Sustainable Welfare“: ein gutes Leben und soziale Sicherheit innerhalb der Belastungsgrenzen der Erde.

„Soziale Sicherheit und der Schutz unserer Lebensgrundlagen gehören zusammen. Der Sozialstaat kann mehr, als die Folgen von Krisen abzufedern: Er kann nachhaltiges Leben und Arbeiten für alle ermöglichen. Dafür müssen wir Sozial-, Arbeits- und Umweltpolitik gemeinsam denken“, so Katharina Bohnenberger.

Was macht Erwerbsarbeit nachhaltig?

Ein weiterer Schwerpunkt ist die ökologische Wirkung von Erwerbsarbeit. Bohnenberger entwickelt ein Bewertungssystem, das über die Einteilung in „grüne“ und andere Branchen hinausgeht. Es berücksichtigt die hergestellten Produkte und Dienstleistungen, die Tätigkeiten am Arbeitsplatz, den produktionsbedingten Ressourcenverbrauch sowie den Einfluss der Arbeitsbedingungen auf den Alltag. Arbeitszeiten und Arbeitsorte bestimmen etwa mit, ob Beschäftigte öffentliche Verkehrsmittel nutzen können.

Darauf aufbauend analysiert sie acht Strategien einer ökologischen Arbeitsmarktpolitik – darunter die Umstellung von Betrieben auf nachhaltige Produkte, berufliche Weiterbildung und eine andere Verteilung von Erwerbsarbeitszeit. Die Arbeit zeigt, welche Möglichkeiten die Arbeitsmarktpolitik hat, den ökologischen Wandel sozial gerecht zu gestalten.

Die Jury würdigte, dass die Dissertation Wohlfahrtsstaat, Arbeit und Sozialpolitik als zentrale Handlungsfelder eines Wandels innerhalb planetarer Grenzen erschließt. Hervorgehoben wurden die Weiterentwicklung von „Sustainable Welfare“ sowie die Systematisierungen nachhaltiger Wohlfahrt, Beschäftigung und ökologischer Arbeitsmarktpolitik.

Über den Preis

Der Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie dient der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung. Er wird von der VÖÖ gemeinsam mit der Selbach-Umwelt-Stiftung und der anstiftung ausgelobt.

Kontakt
Dr. Katharina Bohnenberger, M.A.
Institut für Soziale Ökologie 
BOKU University
Email: katharina.bohnenberger(at)boku.ac.at
Telefon: +43 1 47654 73711